Tagebuch 19. Oktober 2004
Spanien / Camino de Santiago


von eigenbrötlern und interressengemeinschaften! die betriebsamkeit
wir beschliessen heute, die etwas kürzere variante der strasse nach zu nehmen (eigentlich der ursprüngliche jakobsweg). der längere weg würde ebenfalls meistens strassen entlang gehen.. also machen wir uns auf die avenida de stantiago, die sich grad aus der stadt schneidet und schnurgerade weitergeht, so lange das auge reicht.

heute ist etwas wärmer und wir gehen beschwingt des weges. auch hier wird gebaut was das zeug hält (gemäss fredel urbanisierung). riesen flächen sind schon mit strassen und strassenbeuchtung erschlossen. das müssen riesen quartiere werden! im gegenzug lässt man alte stadtteile verlottern. die heutige kulisse ist also nicht grad wunderschön, aber sehr interressant auf jeden fall! wir haben immer wieder das gefühl, dass es den leuten nicht allzuschlecht gehen kann, so viel wie überall gebaut wird.. aber wer weiss.. wir nicht!

wir machen mal noch einen kaffe stop und dann gehts wieder der endlosen avenida entlang richtung santiago.. es ist bedeckt aber zum glück trocken. irgendwann.. nach unzähligen schritten auf asphalt zweigt der weg in weinberge ab.. wow!! das geniessen wir grad doppelt!! viel schöner! fredel schreit mir mal "love" zu und es wiederhallt an den bergen.. cool!!

mittagspause machen wir in einem halb verlotterten dorf und genau da finden wir mal wieder richtig gutes brot! die bäckerei ist auch mal wieder grad backstube und der duft des brotes lässt uns das wasser im mund zusammenlaufen. wir installieren uns auf dem dorfplatz und essen schoggi mit frischem brot. ein hochgenuss. neben uns hats noch eine markthalle wo fisch und fleisch und gemüse und brot angeboten werden.. es gibt also noch reges treiben in diesem dorf. wirklich seltsam, dass dann der dorf-kern am verlottern ist. warscheindlich leben die leute in den neuen häusern in den aussenquartieren.

es geht noch ein wenig der strasse entlang um dann wieder in die weinhügel abzuzweigen. ein stetiges auf und ab folgt.. immer an schönen wegen entlang, durch reben. bei einem haus wird uns noch wein angeboten, aber das wär dann doch etwas gefährlich gewesen.. wir wären warscheindlich grad sitzen geblieben ;-)

das tagesziel erreichen wir schon sehr früh und beschliessen, auch wirklich hier zu bleiben und mal wieder unsere wäsche zu waschen. auch ein chemine hat es in der herberge und eben davor installieren wir uns mal wieder zur fussmassage. welche frische.. duschen, kleider waschen (o.k. wenn wir ganz ehrlich sind.. die einen kleidungsstücke müssen wohl 2-3 wäschen nacheinander durchmachen um wirklich frisch zu riechen ;-).

regen hat wieder eingesetzt und wir sind froh, den entscheid getroffen zu haben, hier zu bleiben. wir haben uns auch heute nochmals ins dorf gewagt.. das wasser kam in strömen die strasse runter. wir besuchten noch die kirche, die wunderschön schlicht und einfach ist! mir gefallen solche gotteshäuser fast besser, und sie passen auch in die dörfer hier! leider hatte auch eine deutsche reisegruppe die idee die kirche anzuschauen oder besser gesagt, sie in besitz zu nehmen. das ganze geschah ohne einen ansatz von anstand oder würde! zum glück hatten sie bald kalt und wir hatten den besinnlichen ort wieder für uns alleine. ich hab's genossen.

der spätere ausflug ins dorf endete mit kaufen von teigwaren und tomatensauce und käse. wir haben also tatsächlich mal in der herberge gekocht und die 500 gr. past waren im nu weg! auch das übrige herbergenleben hat uns in besitzt genommen und wir genossen den schlaf, sprich ruhe und frieden! wir sind irgendwie nicht so gemacht für das "interessen-gemeinschafs-dasein".. es war witztig, aber wir sind doch froh, etwas eigenbrötler zu sein ;-)

begleitet uns heute den ganzen Tag, den ganzen Camino entlang. Wir beschliessen dem richtigen Camino zu folgen, welcher leider nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand aufwartet, sondern einer schnurgeraden dichtbefahrenen Hauptstrasse entlangfüht. Wir Wandern also wie imfalschen Film durch Urbanisierte und im begriff Urbanisiert werdende Gegend, der Strasse entlang.
Ich bin mir diesen Verkehr nicht mehr so wirklich gewohnt, und d'Schine muss mich immer wieder vor herannahenden Fahrzeugen warnen. Eigentlich haben wir uns in St Jean pied mehr solche Strecken vorgestellt, wurden aber bis jetzt sehr positiv überrascht....

Schon etwas der Urbanisationszone entflohen, in einem Dorf wo mehr als die hälfte der Häuser zum Verkauf angeboten, und der rest dem Verfall preisgegeben wurde, herrscht trotz allem rege Betriebsamkeit. Auf der Plaza Major sitzen wir auf unsere Rucksäcke, machen Mittagspause, verdrücken das soeben frisch erstandene Brot mit Milchschokolade, und schauen dem Dorfleben zu.

Danach machen wir uns auf, einmal mehr durch Rebberge ab und zu wieder asphaltierte Strässchen Ahnhöhe rauf, änet wieder Ahnhöhe runter, bis wir vor uns wieder mal richtige Hügel sehen, und von der Strasse weggeleitet werden. Kurz darauf erreichen wir Villafrancia wer weiss wie noch mehr, und der wolkenverhangene Himmel und dunklen Regenwolken sind uns gleich bei der Entscheidungsfindung behilflich. Wir entschliessen uns die dreieinhalb Stunden Camino duro - das heisst Berg hoch und wieder runter - zugunsten von warm Duschen, mal wieder Kleider Waschen und Schuhe trocknen auf morgen zu verschieben.

Nach all den vielen Erledigungen des alltäglichen Herrbergenlebens, begebenwir uns auf einen kulturellen Dorfbesuch. Wir treten voller ehrfurcht in die nahe gelegene Kirche ein, und werden einmal mehr sehr negativ von unseren Deutschen freunden einer Wandergruppe überrascht. Laut reverierend und ohne Rücksichtnahme auf eventuell betende gläubige wird in der Kirche über die Rückkehr in die Herrberge diskutiert. ZumGlück ist der Spuk so schnell vorbei wie er begonnen hat.

Im Dorf suchen wir ein Restaurant oder ein Meson, in welchem man eine richtig schöne Portion warme Pasta reinhauen könnte, ,aber es spricht uns nichts wirklich an, und so machen wir für heute mal einen auf selbsversorger. Wir geben uns dem richtigen Pilgerherrbergen Leben hin, kochen in der Betriebsamkeit der Gemeinschaftsküche eine ganze Pfanne Pasta, setzen uns in den Gemeinschaftsessraum, und widmen uns der Betriebsamkeit, diskussionsrunden und Interessegemeinschaften des Pilgerlebens, und freuten uns schon insgeheim wieder auf eine Nacht unter freiem Himmel ......

Die Fotos und Videos vom heutigen Tag findest Du in der Fotogalerie!



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