Tagebuch 15. Juli 2005
Argentinien / im roten Tal, irgendwo vor Cafayate - Cafayate

umweltschutzgedanken ein lob auf die erfindung der waschma schine
und schon wieder schlecht geschlafen, gibts ja nicht.. der wind hat mir wohl eine zu grosse energie abgegeben, oder was auch immer.. zweimal musste ich auch noch in die böhen raus um wasser zu lassen.. das ist echt noch tricky.. glaubt mir. aber urin soll ja gut für die haut sein ;-). heut überwind ich mich endlich mal wieder und starte mit bauchübungen in den tag, dann noch ein paar liegestütz und beinübungen.. etwas kraft kann nicht schaden.. nach kaffe gehts ans fahrbereit machen und nach der idyllischen fahrt das bachbeet runter verschlucken uns die touristenmassen..

ferienzeit.. was will man da machen als versuchen nett all die flitzenden busse, caravans und autos überholen zu lassen und doch etwas die gegend zu geniessen. unser heutiges ziel ist nicht weit entfernt, cafayate. bekannt durch ihren speziellen weisswein. vor dem ort hält uns die polizei an (heut kommen wir nicht dran vorbei). was wollen den die wohl.. aber nur eine nette begrüssung und der verweis an die zwei damen, die eine umfrage machen. wir informieren sie über unsere herkunft und die automarke.. na ja.. das kann ja nicht eine wahnsinn's interessante auswertung geben. dann gondeln wir quer durchs dorf und finden am anderen ende einen camping "lux y fuerza" (licht und kraft) heisst er.. höhrt sich doch gut an. nelson informiert uns über das nötige und wir sind bald eingerichtet und zu fuss unterwegs ins dorf. heute ist es bedeutend kälter und windig auch wieder und bewölkt zu allen auch noch. hatte bucheli doch recht, berichtet er uns doch schon seit tagen von regen?!?!

das dorf wird erkundet, klein aber hübsch. die kirche ist auch recht schön, wenn auch etwas düster. der dorfplatz gross und gepflegt.. bald sitzen wir in einem internetcafe. natelempfang ist hier eh kein thema, also mal checken, ob per mail etwas anliegt. wir machen aber da nicht lange, werden wir eh noch unsere page updaten die nächsten tage, dann haben wir zeit zum antworten etc. ich ertapp mich mal wieder, dass, kaum ein bildschirm vor der nase, alles etwas schneller gehen sollte. und hier geht es im internet nun mal nicht wirklich schnell. also ruhe bewaren und warten ;-) ein föteli von supperwurm erfreut mich sehr, irgendwo sitzt sie da in den walliser bergen. genial. morgen hat sie geburtstag.. hoffe ich kann sie irgenwie erreichen. die geburi karte hat den weg nach bergdietikon zum glück geschafft.

in einem touristenladen um die ecke erspähen wir etwas lang gesuchtes. ein überdimensionales "röhrli" (strohhalm?! nein metallhalm.. ;-). hier trinken die menschen gerne mate, das ist ein tee aus coca blättern. dazu braucht mann dann ein röhrli mit einem filter unten dran. wir haben schon immer spekuliert, dass das perfekt für unsere caipi-sessions währe. aber die stengel waren immer zu kurz und nun.. ein riesen, überdiemsnonales modell lacht uns an und ist sogar zahlbar. leider hat es nur einen in dieser oversize. die verkäuferin fragt uns verblüfft was für ein mate gefäss wir den hätten.. soooo gross?? fredel gesteht dann, dass wir es eigentlich für unsere, nicht immer so kleinen, caipis brauchen. ein älterer mann, der dem gespräch verstohen zuhört grinst vor sich hin und wir bekommen von der netten dame die nächst kleinere variante gezeigt. wird knapp.. ich nehm mass mit der sonnenbrille - genau 1 3/4 swans-sonnenbrillen (check sponsoren / links) .. müssen wir zu hause checken.

in einer gartenbeiz genehmigen wir uns noch einen caffe und ich natürlich, wer würde es glauben, einen frischgepressten orangensaft. (wie wird das in brasilien, wo es mangosäfte gibt?!?!). dann gehts dann aber wirklich heimwärts und wir nehmen so im vorbeigehen noch ein brot und zwei alfajores mit (das sind so riesenguzli, in der mitte irgendwo sicher dulce de leche und drüber und drunter bisquits, oder meringe oder was auch immer. gibts in tausend varianten und sind suchtartikel). die süssigekeiten überleben sogar bis nach dem aufgewärmten curryreis zum zmittag.

dann gehts los mit waschen. das wetter ist zwar nicht wirklich sonnig, aber bei dem wind wird die wäsche schon trocknen. würde sie auch, wenn nicht die wäscheleine unprofessionell montiert gewesen wäre und somit ein erneutes auswaschen nötig.. aber es ist noch kein meister vom himmel gefallen. fredel hat ja in seinem leben noch nicht wirklich viele knoten gemacht ;-))).. zum thema umweltschutz: da gibt es wirklich super frisch duftende mittel um die wäsche zu waschen. die sind vielleicht nicht allzu umweltschonend aber dafür hat man einfach das gefühl der umwelt einen gefallen zu machen mit der frische die man verströmt.. dann, viel umweltfreundlicher und somit für uns klar der favorit (zumindest bis heute..), gibt es ein mittel, dass wirklich über alle verschmutzungs zweifel erhaben ist.. den namen hab ich grad verdrängt. heut ist es also so weit, dieses mittel zu testen und ich könnte also wie die weisse riesin, strahlend weisser zähne glänzend, vor der kamera berichten, dass dies wirkich das waschergebnis der meisterklasse ist.. alles erstahlt salzseeweiss und sauber.. ABER.. ja, da ist ein aber.. aber ich weiss, da sollte man das aber hald vergessen, es geht hier um den schutz unserer natur, aber ich kann das aber, zumindest heute noch nicht, nicht verleugnen: ABER: die wäsche stinkt!!! unbeschreiblicher, nicht wirklich super frisch erscheinender duft umhüllt die strahlend sauberen kleidungstücke. nun, wie soll man sich da verhalten. der umwelt diesen duft aufzwingen oder vielleicht doch etwas mehr frische abgeben, glücklich sein, und dafür nicht gaaaaaaanz so naturgerecht?? oder eben doch die natur des menschen mit dem verlangen nach frische respektieren? eine, heute, noch nicht beendete diskussion..

fredel findets übrigens nur halb so wild und ich werd mich vielleicht auch noch gewöhnen.. also genug in meinem neuen hobby, dem waschen, aufgegangen.. zurück zu den interessanteren dingen: ich hab auch noch das matzmobil rausgeputzt und schön hergerichtet ;-). dann noch etwas lesen, hängen, reiseführer und karten wälzen und dann, klopfts.. fredel macht auf und wird von martina begrüsst. einer deutschen, die mit zwei pferden unterwegs ist. wir haben sie vor etwa 3 tagen am strassenrand schon gesehen. sie uns auch und nun kommt sie uns besuchen. wir plaudern, erfahren viel über südamerika und reisen per pferd oder motorrad und so manches mehr.

dann wirds aber schon bald dunkel und uns gelüstet nach essen. fredel macht noch einen "flotten pürschtel" und rasiert sich und dann wandern wir wieder ins dorf rein. martina wollten wir auch noch fragen, ob sie uns begleiten möchte, sie ist aber nicht zu hause (in ihrem zelt). dann gehts in den touristenladen um die röhrli zu kaufen (1 3/4 swans sonnebrillen reichen längst!!), das toursitinfo um einen plan des dorfes zu hohlen und noch in einen markt rein, um uns 2 schöne armreifen zu kaufen. sie hätten uns sogar noch den namen graviert.. wollten wir nicht.. im nachhinein hätte ich doch einfach "love" gravieren lassen können. wollen wir doch die liebe in die welt bringen!! gute ideen kommen einem hald manchmal einfach etwas zu spät.

ich kanns nicht anders sagen: es ist saukalt. gerster noch blut bei über 30 grad, frier ich mir einen ab (oder zwei) bei unter 10 grad und wind.. brrrrrrrrrrr... also ab in ein restaurant. wir finden uns in einer peña, das heisst in einem restaurant mit musik, wieder. vor einem wärmenden feuer, so weit wie möglich von der musik entfernt. das nützt aber nichts. um neun gehts los und die musik gefällt also wirklich. einer mit einer grossen gitarre, einer mit einer super-kleinen und einer mit der flöte. der flöten-mann spricht aber auch sehr gerne und gibt sich nebst blasend auch unterhaltend. das lokal ist bald berstend voll und die stimmung ausgelassen. wir staunen und essen und werden dann vom kellner vergessen. es geht recht lange bis wir zahlen können. der flötenmann fragt jeden tisch, von wo die menschen denn kommen. viele aus buenos aires (ist ferienzeit, wie gesagt). fredel meint nur, wir seien grad von neben buenos aires.. von der schweiz.. immer für ein witzli zu haben.

vollgegessen und stimmungsgeladen gehts raus und alles wird grad eingefrohren.. ich schätz mich glücklich, die heizung angestellt zu haben, bevor wir ins dorf gingen. wir schlottern uns also zurück ins warme matzmobil und bis ich aufgewärmt bin, schläfts mir auch schon.

übrigens: wir haben für 12 empanadas (teigtaschen), einen grossen gemischten salat, 1/2 liter wein und 2 stück fleisch (nicht etwa klein) grad mal 15 franken gezahlt.. und das mit band die spielt.. nicht schlecht oder..

über mir schaukelt immer noch der wind, der die ganze nacht angehalten hat, und neben mir schaukelts schnitz....... am anfang bin ich in meiner schlaftrunkenheit etwas irritiert, bermerke aber bald, dass d'schine an ihren bauchübungen ist. ich solidarisier mich mit ihr, und zähle in gedanken mit..............

in kürze ist unser standplatz wieder der desert preisgegeben, und ruscheli zirkelt uns aus dem bachbett raus, und fügt das matzmobil in den nicht enden wollenden strom von touristen karros(t)en ein. wir könnens recht gemütlich nehmen, wollen wir doch heute nur bis cafayate auf einen camping fahren.
eine touristen umfrage getarnt als polizeisperre später sind wir auch schon im dorf angekommen, und tanken luz y fuerza licht und kraft.......

alsbald machen wir uns auf, das dorf zu erkunden. wir wollen unsere vorräte wieder etwas aufstocken, sowie herausfinden wo wir das morgendliche drei monate rumreisen juhubiläum verfressen können.
könnte man artesanale töpferkunst, ponchos, armreifen, vasen, vicuñafell mützen, cardones bilderrahmen ect essen, wären wir wohl für den rest des lebens eingedeckt, aber supermercados sind hier dünn gesäht, und wir können froh sein überhaupt so etwas zu finden.
resataurantes sind ebenfalls kein problem, hier ist eher die wahl der qual. wo touris sind, sind auch parilla, asado und seine freunde nicht weit.

trotz dem immerwährenden schnöden über touristen und ihre eigenschaften, lassen wir es uns nicht nehmen, die vielfältigkeit und den ideenreichtum der artesanal fabrikateuren anzuschauen. und siehe da, endlich sind unsere lang gesuchten caipirinha trinkröhrli gefunden. wir sind jedoch noch etwas uneinig was die länge dieser angeht, aber schnitz erfindet gleich die multifunktionalität unserer swans sonnenbrillen, und nimmt mit ihrer mass.
nach kaffe und osaft finden wir doch noch ein artesanal produkt das sich essen lässt, und wie......!

alfajores

heisst das zauberwort. diese etwa vier (fredel) biss grossen güetzi sandwich konstruktionen wo von hauptsächlich dulce de leche über meringuen biskuit boden schokolade über fruchtfüllung einfach alles eingepackt wird, sind auf der suchtskala auf einem alarmierenden wert von > 9.5 zu bewerten!!!
nur ganz knapp entgehen die vier köstlichkeiten unserem heisshunger - oder war es schon die sucht die in uns aufkeimte ? - die kurze strecke bis zu unserem licht und kraft platz. hier widmeten wir uns erstmal unseren resten curryreis, bis wir uns, kaum den letzten happen reis gekaut, voller wohllust in die teile verbissen.

die dinger verleihen einem soviel energie, dass d'schine sogleich alles stehen und liegenliess, und sich der angesammelten wäsche widmete, und ich versuchte das hartnäckige gelb von curry von unserem geschirr und besteck zu verbannen. ich weiss nicht was mehr effort benötigte, aber wir waren für die nächste stunde beschäftigt.
ich mache mich noch tatkräftig daran die wäscheleine zwischen bäumen und matzmobil zu befestigen, und traue dem - einmal in meiner jugend von fred meinem vater vielgepriesenen mastwurf "mit diesem einfachen überwerfen kannst du einen baumstamm hinter dir herziehen" - zuviel zu........

während ich in mein neues buch vertieft bin, lässt der mastwurf seinem freiheitsgefühl vollen lauf, und wirft die, von der waschma schine vorhin so säuberlich gereinigten tüechli in den staub .....
dies wiederum verbannt mich einige zeit in die waschküche um die teile wieder auszuspülen. und hier empfinde ich tiefsten dank für unsere aufteilung der sogenannten waschma schine! an dieser stelle mal ein schriftliches sauberes danke, dass ruscheli diese arbeit für uns beide übernimmt, und man höre und staune manchmal bei dieser körperlichen anstrengung sogar richtig genugtuung empfindet.

nachdem die leine nun doppelt und dreifach gesichert ist, können wir die sachen getrost dem wieder aufkommenden wind überlassen und uns im innern unseren büchern widmen. bis ein klopfen uns aus den geschichten reisst, und wir mal wieder besuch kriegen. die chicca vor der türe lässt erstmal ein schüchternes hola sprecht ihr deutsch hören, worauf ich draussen mit ihr ein paar worte wechsle, bis sich ruscheli auch zu uns gesellt. nach geraumer zeit bemerken wir, dass es draussen nicht wirklich warm ist, und wir besinnen uns darauf, dass man gäste auch drinnen willkommen heissen kann. drinnen plaudern wir über ihre und unsere reisen, die komplikationen die das alleinige reisen einer frau mit sich bringt ect.
wir haben martina schon vor zwei tagen gesehen, als sie uns auf der strasse mit ihren zwei pferden entgegengeritten kam. und sie erzählt uns, wie sie anfangs mit dem motorrad unterwegs war, von den unruhen in la paz chile, wo sie einige strassen sperren umfahren musste, und jetzt - da ihr freund in england am geld verdienen ist - die chance wahrgenommen hat, und eine zeit lang mit den pferden reist.

als martina aufbricht, ist es bereits am dämmern, und unsere mägen signmalisieren, dass wir uns heute noch einem weiteren empanada gelage hingeben wollen.
nach etwa dreimaliger umrundung des dorfes, und eines weiteren artesanal markt besuches, der uns zwei nagelneue armreifen sowie die schon am nachmittag gesichteten röhrli einbringt, entschliessen wir, uns -trotz ausgeschriebenen folkloreabends - in einer peña=musikbar zu verköstigen.
auf die 12 empanadas als vorspeise folgen eine schüssel salada completa mit allem drum und dran sowie ein filet für d'schine und ein asado gitzi stück für mich. das ganze schwenken wir mit einem halben roten runter. trotzdem wir uns ziemlich in die hinterste ecke verzogen haben, beginnt das folklore spektakel mit drei musikanten. wovon sich einer als unterhalter outet, und alle tische anfragt woher sie kommen.
wir kommen ganz klar von - gleich neben buenos aires - der schweiz.
das ganze scheint noch ein ganz lustiger abend zu werden, aber wir sind gesättigt, und müde. ich weise den kellner noch darauf hin, dass er die 12 empanadas auf der rechnung vergessen hat, ist ja nur etwa ein viertel der rechnung, und bezahle die ca 15.--sfr ohne grosses murren.......

auf dem rückweg entdecken wir noch eine tienda=laden wo wir unser gas auffüllen können und dann machen wir uns auf den weg nach hause, wo ich mir zum abschluss des ereignisreichen tages, in aller friedlchkeit auf den rittigplampi mein freitagszigarillo reinziehe.........

Die Fotos und Videos vom heutigen Tag findest Du in der Fotogalerie!



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