tagebuch 09. dezember 2007
argentinien / an einer lagune bei junin


evakuierung aus dem paradies.. rausschmiss aus dem gourmet-tempel, oder so.. am rummelplatz balenario...
fredel hat gestern abend gesagt, er sei zu allem bereit und würde sogar zu drastischen massnahmen zur blutsauger-bekämpfung greiffen.. ich rette also heut morgen, als erste amtshandlung, den stammgast im stübli, im sääli matzmobil.. der fette moskitofreund hängt wieder am stammplatz und ich evakuier ihn übers fenster raus.. das alles bevor fredel erwacht.. das ist ja nochmal gut gegangen.. meine stiche salbe ich mit homeopatischer, grüner paste ein.. schon ist das "beissen" weg. ja, ich kann einfach verstehen, dass sich die viecher noch gerne an menschenblut vergreifen. unsere haut ist sicher einfacher zu durchbohren als die eines rinderkindes, oder einer sau, oder eines gürteltieres ;-)... dann noch schlemmen in dem schönen restaurant chez matzmobil..

aber zurück zum tag.. ich bin also wach, fühl mich aber immer noch müde.. die nacht war zwar nicht mal so schlecht.. aber mich sticht es in der lungengegend und ich versuche, tief durchzuatmen.. "än schnuf igklämmt?". dann hör ich den worten von tolle, wie immer mal wieder die letzten 2 tagen. unterdessen regt sich auch fredel und ich kann seine traumerläuterungen in "zeichensprachisch" nicht verstehen, bitt ihn, auch den einsatz der normalsprache in erwägung zu ziehen.. macht er, aber so ganz weiss ich doch nicht, um was es ging ;-). ich erzähl meinen traum, den ich unterdessen schon wieder vergessen hab..

dann werd ich mit kaffe und schnitten verwöhnt, guten morgen.. ich bin schon geschäftig, flicke was an meiner vaio dame rum und will, dass sie mindestens so alt wird, wie fredel seiner.. er hilft mir übrigens, eher widerwillig, mit leim aus ;-). bin so froh, macht er in unseren hause all die leim-arbeiten.. ich hasse das.. mir kleben nur immer die hände oder kleider, oder einfach das, was sicher nicht mit leim in berührung kommen sollte ;-). schon zu schulzeiten hab ich dieses trauma eingefangen.. meine einzige freude am leimen bestand darin, eine hauchdünne schicht des weissen schulleimes auf die handinnenseite zu pinseln und sie später, als quasi zweite haut, abzuziehen.. jedem seine freuden ;-).

es ist noch morgen früh, ca. 10 uhr.. argentinien ist noch nicht auf den beinen, ausser ein paar verwegenen fischern, die zu dieser stunde schon auswerfen.. und so klitzekleine fische - wohl fürs aquarium - rausziehen. ich nutze die gunst der stunde und geh an die sonne raus. noch nicht so heiss, noch nicht so viele menschen.. beides wird noch kommen. auch fredel gesellt sich zu mir und löst - zur abwechslung mal - ein sudoku.. ich bin auch bald bei ihm im matzmobilschatten.. schon jetzt brennt der feuerball unerbärmlich vom himmel.. besser sonnenschutz aufsuchen..

es wird der nächste plan ausgeheckt.. nicht dass ich mir bewusst wäre, die drahtzieherin zu sein.. wir rücken aus, die kiter zu schauen.. der weg führt bei bambi vorbei.. heladoooo!! die kiter finden wir vorab noch nicht, dafür einen hafen, wo wir, dank der forschen dame am empfang, rasch reinschauen dürfen.. alles privat.. man gibt sich locker, man gibt sich wichtig, man gibt sich betucht ;-). schöner platz.. wir sind wieder weg und sehen nun, durch meterhohes zaungeflecht, die kiter in der nächsten bucht.. geht was.. wie schon erwähnt (glaub ich), junin gibt sich sehr sportlich.. ob joggen, biken, wassertöff, schwimmen (in der brühe.. wääähhh..) über motor-gleitschirmfliegen zu surfen und kiten und segeln und und und..

dann der schock des morgens.. bambi ist zu.. ich häng wie ein junkee an der scheibe und starre auf das schild mit den geschmacksrichtungen. heladoooooooooooooo!!! nichts damit, fredel reisst mich in die realität zurück ;-). die polizei fährt vorbei, die beamten winken uns zu, man kenn sich ;-). heut ist übrigens etwas los hier, und es wird sicher noch schlimmer. mehr und mehr wird die luft mit grilldüften durchsetzt.. der richtige argentinier steht am grillplatz und hieft tonnen von fleisch auf den rost, der unter der last fast zusammenzubrechen droht ;-). die männer strecken ihre runden bäuche in die welt raus und referieren über ihre grillkünste, die frauen bereiten die beilagen.. kein schwieriger job.. etwas brot, unter umständen ein klitzekleines bischen salat.. mehr nicht.. essen tut man den ganzen tag ;-). wir schauen hier und da zu, grinsen und schlendern weiter.. familie an familie rollt an und installiert sich.. auch die campingzonen füllen sich. hier merke man sich.. wenn man sich als ausländer outen will, stelle man das zelt plan auf.. auf ebenen grund und gut gespannt.. die einheimischen machen das mit sicherheit nicht ;-). eine gewisse schräglage ist pflichtprogram ;-), das zelt darf sich ruhig mit dem wind aufblasen und flattern ;-).. es gibt immer wieder was zu sehen. am einen stand verkauft eine dame kinder-möbel.. ein kleines kind grabt auf einer - zur verkauf stehenden - pferdeschaukel das teil in den dreck.. alle finden es nett ;-).

auch stört niemanden, dass der jeweilige nachbar ebenso wie er, die türen vom auto offen hat und noch lauter die musik scherbeln lässt ;-). ja, ein locker volk, uns passt es.. um uns wird es langsam enger.. die einen nachbaren haben noch ein zelt aus dem museum auftgestellt, auch dieses flattert im starken wind.. strandmuscheln haben es noch nicht bis hierher geschafft. unterdessen ist es drei uhr und nun stellt man den ein oder anderen stand auf.. auch ein "zügli", gezogen von einem offroad-auto fuhr schon vorbei ;-). man kommt echt nicht aus dem staunen.. unter der woche ist man fast alleine hier, nun das.. ja, nochmal argentinien wie es leibt und lebt, unter dem parillada stern ;-). ah, fast vergessen.. am auto muss man so eine melodie haben.. vielleicht geht die ab, wenn man abschliesst? gibts ja auch in europa eine, oder zwei töne.. aber hier sind es wahre klang-wunderfanfaren ;-))) und dann noch das: ein tag ohne mate ist kein richtiger tag.. horroszenario: das heisse wasser geht aus!! man fahre umgehend an die nächste tankstelle und fülle die termosflasche auf (hat ja überall heiss wasser aus hahnen, oder an speziellen ständen ;-))).. ah, wasserski, hinter den wassertöffen, ist auch in ;-). und promenaden fahren mit dem auto.. nicht umbedingt nötig, dass man eine tiefergelegte, mit zmorgentischli aufgemotzte karosse unter dem arsch hat.. auch eine alte rochel tut es ;-).. oder noch lieber ein töffli ;-). auch 2 kinder - kleine kinder!! - haben wir schon motorisiert angetroffen.. auf einer minikopie eines rollers ;-). früh übt sich, wer auch später cool daher kommen will ;-).

so, nun ist aber schluss.. jetzt ist zeit für ein heladooooo (guidadoo wie fredel sagt, vielleicht erklärt er das auf seiner seite..).. vorhin haben wir noch mittagspause gemacht, ich sogar etwas gedöst, nun sitzen wir an den compis.. auf dem bett ging mir ein lied von züri west durch den kopf.. ich hab sinniert, wie der text jetzt nun genau ging.. nun ist musik angestellt und welches lied kommt.. eben dieses.. das aus ca. 6'000 songs.. ja, das kann und will ich nicht zufall nennen.. denk mir eh, dass mein verstand grad wieder mal einen endkampf ums überleben hat und mich gestern und vorgesten mit so manchen trüben gedanken gespiesen hat.. aber eigentich weiss ich ja schon, dass es so wie es ist gut ist..

heladooooooooo!! ich bin weg.. wir schlendern durch die menschenmengen und ich seh nur bambiiiii.... sogar ein tischli draussen ist frei, wir können uns mit unseren köstlichkeiten hinpflatschen.. wie ferien!!! ich liebe gläcu!! und argentinisches ist wie italienisches, die habens drauf.. winkewinke zur polizei.. dies und das beobachten und dann einer familie platz machen.. auf dem rückweg kämpfen wir uns noch durch die jungs und girls, auf die mole raus.. hier baded mann, hier springt man rein, hier fischt man ;-). nun gut, uns gelüstet das wasser nicht wirklich.. jede bewegung löst eine schaumlawine aus ;-). dann riecht es noch sehr speziell und ist braun.. ihr habt den tümpel für euch ;-).

ich leg mich ins matzmobil, draussen ist mir zu heiss.. draussen ist auch die hölle los.. um uns hat man zwar einen kleinen sicherheitsabstand, ansonsten aber, ist alles voller menschen und autos und motos und velos und und und.. nach einer weile muss ich auch raus, zu fredel.. wir sitzen, wie alle, gegen die strasse (hää? warum?) und schauen dem argentinischen sonntagstreiben zu.. echt, da wird einem nicht langweilig.. familienweise auf kleinen roller-töffs, ohne helm versteht sich, barfuss.. grossfamilienweise in alten, vorzüglich französischen, klapperkisten.. überall musik, laute musik, scheppernde musik.. die luft ist voller rauch.. man grillt weiter.. ja, argentinien, wie wir es kennen, wir mitten drin, wie eine insel ;-).

vor lauter schauen verpassen wir den sonnenuntergang ;-). ich koch uns mal noch einen teller pasta.. aber mein bauch gibt sich übersäuert.. vielleicht zu viel büchsen in letzter zeit? wie auch immer, ich kapituliere und geb fredel den rest.. ein gläcu würd ich dann aber doch nehmen, was mir komischerweise nicht bewilligt wird ;-). wir sitzen also noch etwas draussen.. ein womo fährt vor, der fahrer grüsst (mit dem hab ich schon kurz geplaudert) und dann steigen 5 leute aus (vier erwachsene), installieren sich, sogar eine katze haben sie dabei.. argentinien im womo, auch das kennen wir nicht anders ;-).

ich hab natürlich grad einen temporären katzenjammer.. aber da muss ich durch.. fredel muss abwaschen, auch keine einfache aufgabe, im fastdunkeln.. licht wollen wir nicht anstellen drinnen, zu viele insektenfreunde in der luft.. die glühwürmer lassen zwar auf sich warten, kann ich verstehen, noch immer ist viel los.. wir verziehen uns rein, wollen schlafen.. aber es ist so heiss.. am horizont erhellen blitze die wolken.. ein gewitter naht? es ist ja noch weit weg, aber das dachten wir vor ein paar tagen ja auch.. und tatsächlich, nach einer weile wechselt die windrichtung in sekundenbruchteilen und der sturm ist da.. pha!!

wir schauen raus, sehen wie der wind das wasser über die ufer peitscht, der himmel nun im 5 sekunden takt leuchtet.. ich versuch eine mischung aus lüften und bei sturmböhen doch wieder fenster zutun, rauszufinden.. fredel schläft ;-). immer näher kommt das unwetter und ich bin faszniert, aber einen moment auch etwas ängstlich.. das beau duc erlebnis lebt nach. dann nehm ich die innere unruhe grad als spirituelle übung.. ich atme durch, geh in mich rein und als ich innerlich ruhig werde, tief in mir verwurzelt bin, lässt der wind nach, stellt sogar ab.. das gewitter ist an uns vorbeigerast.. noch immer leuchtet es unaufahaltsam am himmel, aber das gröbste ist durch.. von diesem sturm zumindest..

nicht viel später, ich hab mal wieder versucht zu schlafen, hackt es erneut um uns.. der wind rüttelt mich wach, die regentropfen klatschen an unser haus, diesmal sind wir mitten drin.. voller faszination schau ich raus, will nicht verpassen, wenn der blitz in die skulptur auf dem steg schläg.. aber müde bin ich auch.. heiss ist es, der wind schon kühl.. also fenster auf, starke böhen, wieder zu.. ich hab immer was zu tun und an schlaf ist nur häppchenweise zu denken.. fredel döst in aller ruhe.. für mich ist da defnitiv nicht der platz des guten schlafes ;-). aber sonst ist es ja schön.. also, gut nacht.. es muss schon morgen gewesen sein, als alles durch ist.. bald wird es hell, ich schlafe, träume, bin wieder wach, aber dazu morgen..

guten sonntag morgen allerseits. wäre die kleine pfanne nicht voller tomatensauce im kühlschrank, gäbe es zum kaffe auch noch die drei dreiminuten eier. als ersatz streiche ich meiner frau gonfi schnittchen und koche kaffe. ruscheli hat wieder nicht so gut geschlafen. der kampf mit den mücken hat sie die halbe nacht auf trab gehalten. dafür werde sie heute den ganzen tag hässig sein.... wenn mans weiss ists nur halb so schlimm...

mit gemütlichem sonntag zmörgelen ist dann aber nichts. noch nicht mal die erste tasse kaffe geschlürft, mecht schine schon an den gummi füsschen ihres kompis rum und fragt mich ob ich nicht irgendwo ein teppich messer hätte. und ja leim bräuchte sie auch noch. vor allem " sie " brauche leim.... ich verstehe sofort, unterbreche mein zmorgen kaffe, stehe auf, hole die leimkiste unter meinem sitz hervor und klebe meiner frau das neue gummifüsschen an den kompi. mit dieser aktion wäre der sonntag morgendliche arbeitseinsat dann auch schon zu ende, und wir widmen uns dem ferien machen. ich hol die sessel aus dem keller und wir pflanzen uns an die, noch nicht so heisse morgensonne. langsam aber sicher kommen die ersten argentinischen frühaufsteher - es ist elf uhr - ins balenario. die fischer sitzen mit ihren bambus rütchen auf dem quai und holen daumengrosse fischchen aus der braunen brühe.

am horizont beim hafen hinten entdeckt ruscheli plötzlich einen kite in der luft. wir machen uns auf die suche nach dem platz. am eingang des hafens werden wir aber darauf hingewiesen, dass hier nur sozios = partners, also members reindürften. aber bis zum einwasserungs kanal zwanzig meter im gelände drin dürfen wir schon. wir sehen zwar hier keine kiter, dafür allerlei böötli und wassertöffs. die anlage ist sehr gepflegt und offensichtlich für die höhere mittelschicht ausgelegt. man gibt sich besonders wichtig und zeigt gerne was man hat und noch lieber, das man dazu gehört. als wir dann zurückschlendern sehen wir am weit entfernten ufer dann doch noch ein paar kiter im wasser. aber heute wäre für uns eh zuviel los, also schlendern wir weiter zum bambi haus.

hier bricht es schine schier das herz. nicht weil sie bambi eingeschlossen hätten, aber die heladeria ist noch gar nicht geöffnet. obwohl sich das balenario langsam aber sicher mit sonntags besuchern füllt, sind die heladeria pforten noch geschlossen. das langsam kann man jedoch gleich weglassen. auf den paar hundert metern bis zum matzmobil werden wir zeugen wie das balenario von einer blech und räder lawine überrollt wird. der fahrzeug strom wird dichter und dichter, jedes schattige plätzli wird ausgenützt, der argentinische sonntag beginnt. das gestern noch so friedliche einsam gelegene plätzli an der lagune wird von fahrzeugen und menschen geflutet. plötzlich sind überall leute. auf dem wasser, im wasser, auf den strassen, um die parkierten autos rum, es ist unvorstellbar.

das unvorstellbarste beginnt erst noch, und soll bis zum sonnenuntergang nicht mehr abreissen. obwohl die strasse im balenario eine ringstrasse ist, fahren auto an auto, motorrad an motorrad von links nach rechts und offensichtlich auch wieder zurück. ob mit bootsanhänger oder vespa auf der ladefläche, ob alleine zu zweit zu dritt oder - aber nur wenns kleinkinder dabei hat, die brauchen nicht soviel platz - auch zu viert auf dem töff, man fährt hin und her und her und hin..... und dijenigen die nicht fahren, parken ihr auto - oder was von dem noch übrig ist - im schatten eines der zahlreich gepflanzeten bäume, und schaut nicht etwa zur lagune raus dem treiben auf dem wasser zu, nein man stellt seinen camping stuhl zur strasse ausgerichtet und verfolgt das farbenfrohe schauspiel der vorbeirollenden blechlawine.........

das balenario beginnt zu leben wie ein ameisenhaufen in den man unabsichtlich reingetreten ist. die parillada stände beginnen zu rauchen, der duft von verbrennendem eucalyptus holz und gebratenem fleisch schwängert die luft, und der russ und rauch steigt über die ganze anlage auf. am nachmittag stürzen sich kids sowie erwachsene in die braune, schaumende nicht unbedingt nach rosenwasser riechende brühe der lagune. schine meint, dass man nach dem bad wohl eine woche lang ekzeme habe. ich meine, dass bei dieser brühe kein einziges ekzem chromosömchen überlegen kann. die wasserski cracks - vier zentimeter breitspuriger und es gibt einen einlauf - werden in haarsträubendem stil möglichst nah an der mole vorbei gezogen. aber hauptsache man kann sich einhändig halten!

mitte nachmittag hat dann auch bambi rausgefunden, dass sich ein öffnen der pforten in einem gewaltigen umsatz plus niederschlagen würde. schnitz und ich sind bei den ersten kunden des heutigen tages. und für ruscheli wäre auch eines der heutigen tages high lights eingetreten. helaaadooo! und nicht guidaadooo = vorsicht wie ich von den, nicht immer sehr sicher wirkenden glace verkäufern auf ihren fragil wirkenden fahrrädern verstehe. während sich ruscheli drinnen in der kühle des matzmobils ausruht, passe ich mich den ländlichen gegebenheiten an, und richte den hängersessel hinter dem matzmobil im schatten seiner selbst gegen die strasse aus. ich hätte noch das ernährungs buch dabei, aber das treiben ist einfach zu interessant als dass man sich auf ein paar buchstaben konzentrieren könnte.

auch ruscheli lässt sich von der unterhaltsamkeit der hiesigen gepflogenheiten überzeugen und sitzt bald neben mir und knipst zum erstaunen einiger nachbarn ein paar bilder. die schatten werden länger, der verkehr ist immer noch dicht, aber die park reihen unter den bäumen lichten sich. als wir mal wieder zur lagune rausschauen bemerken wir erst, dass wir gerade drauf und dran sind einen weiteren schönen sonnenuntergang, auf kosten des strassentreibens zu verpassen. ich richte uns also wieder richtig aus, ruscheli kocht uns spagutz mit resten sauce von gestern und just als wir zum znacht ansetzen kommt ein argentinisches wohmo des weges. ein herr am steuer mit dem schine schon gesprochen hat winkt uns freundlich zu, und parkiert dann - erstaunlicherweise - ein gutes stück entfernt von uns und klappt für die fünf insassen die camping sessel auf.

wir tun uns am feinen znacht gütlich, die blechlawine hinter uns wird kleiner und kleiner und als die sonne am horizont versinkt sind nur noch ein paar ganz hartgesottene, oder diejenigen die verschlafen haben an den parillada ständen. wie heisst es doch so treffend in einem sprichwort: den letzten beissen die hunde. die hartgesottenen werden zwar nicht von den hunden gebissen, aber die dunklen wolken - die sind so dunkel die wirken sogar noch bedrohlich in der finsterniss - und die begleitenden blitze am horizont, kommen schneller näher als sich das balenario heute morgen gefüllt hat. wir liegen schon im bett, ich bin schon halb eingedöst, als schine in ihrem unverkennbaren ton feststellt: jetz chunnts!

kaum ausgesprochen, legt ein sturm los der seinesgleichen sucht. von einer sekunde auf die andere fegen böen durch die gassen, werden palmen gebogen und die allerletzten grilleure werden von der tanzenden glut verjagt. plötzlich ist alles leer, kein mensch mehr, kein auto, nichts. eine mutter rennt mit ihren zwei kindern vor einer windbö zum gemieteten cabaña und dann ist alles buchstäblich leergefegt. wir und das matzmobil sind die einzigen überbleibsel des sonntäglichen rummelplatzes. während schine mit fenster aufmachen und fenster zumachen eine nächtliche beschäftigung gefunden hat, döse ich vor mich hin und kriege gar nicht mehr mit, dass die böen, so aprupt wie sie hereingebrochen sind, auch wieder abstellen.

erst als die nächste ladung über uns zusammenbricht, wache ich erneut auf. nun werden die sturmwinde noch vom gewitter regen begleitet. es hört sich an wie hagelkörner so heftig prasseln die regentropfen auf unser dach. am schlafzimmerfenster rauscht ein bach runter als ob man in der wäschanlage stehen würde. ein paar mal lassen blitze die nacht zum tag erhellen, es folgen grollende donner und dann entschwebe ich auch schon wieder dem reich der träume.....

die fotos und videos vom heutigen tag findest du in der fotogalerie!



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