tagebuch 24. september 2007
chile / am vulkan villarica - pucon


frühlings fee.... der richtige jesus....
ich versuch in mich zu gehen, nicke wieder ein, bin wieder recht wach, um einen weiteren versuch in mein innere zu wagen.. so ein kleines hin und her bestimmt meinen ersten teil des frühen morgens.. dann schau ich raus, erspähe blauen himmel und den vulkanfründ.. schöne welt.. ich peile fredels schulter an, aber die entfernt sich, richtung wc ;-). und wenn mein mann schon auf ist, dann tut er auch grad noch einheizen. ich dopple etwas später (nach einer portion schulternliegen) mit einer morgenerleichterung nach.

aber zum kaffe brauen kann ich mich noch nicht durchringen, zu kalt dünkt es mich.. fredel tut seinen unmut darüber kund ;-). ich steh doch nicht auf.. würde am liebsten wieder einschlafen, aber das geht irgendwie doch nicht, und ich steh eben doch auf und brau kaffe.. na ja, so ganz zielstrebig geh ich heute morgen wahrlich nicht vor. ich lass fredel entscheiden was er will, vor mir aufstehen, morgenshow vom kaffe aus, oder ich aufstehen, morgenshow vor dem kaffe.. er entscheidet und muss nachher meine aussage hinnehmen, ich müsse alles selber machen. nun gut, im leben einer frau gibt es so zyklen und die lösen bei mir noch des öftern die: ich muss ALLES machen phase aus, oder dann die: du verstehts mich NICHT allüren, oder dann die: du willst mich ANGREIFEN szene.. nicht immer ganz einfach für das leben eines mannes. eines bin ich mir aber ebenso sicher: auch im leben eben der männer, gibt es solche auf und abs.. nur sehen sie das NIE ein ;-) oder schieben das geschickt auf die frau ab ..

hihi.. guten morgen.. ich werde mich bald wieder einrenken und ich bin froh, fährt fredel uns ins tal.. er kann ja schliesslich auch was machen ;-). nein, ich bedank mich dafür und entschuldige mich für meine morgendlichen hin und hers.. kanns ja mal geben.. bin zwar schon etwas früh drann dieses mal, aber eine ausweitung der gefahrenzone kann es mal geben ;-). auf jeden fall bin ich bald wieder höchst erfreut, an uns ziehen schöne bäume vorbei, der blaue himmel über uns, die sonne lacht, blick auf den see runter, im rückspiegel der villarica vulkankegel, mit seinem obligaten räuchlein.. war schön da oben.

ein paar fotos mach ich, klar, das gehört dazu.. dann kann fredel aber weiter, gemächlich (auch dafür bedank ich mich) den berg runtergondeln.. durch ein lavafeld geht es, dann an den unzähligen artesanal-ständen vorbei (alle zu, ist nicht grad saison). in pucon fackeln wir nicht lange, stehen alsbald am gehabten platz mit blick aufs wasser. kaum den motor abgestellt, ist fredel schon im kombi.. ich beweis mich als hausfrau und mach es uns etwas sauberer im heim. man kann also recht weit kommen mit einem becher putzwasser! bald kann ich mich in dem belang aber besser ausleben.. dem wassertank geht es nämlich an den kragen, oder besser an die lecke naht.. fredel macht keine halben sachen und ist eine weile dran.

als er ins matzmobil kommt bin ich schon am fotos ordnen und sichern. dann tippen wir beide tagesberichte und ich werde nun auf vorgestern switchen. der tag ist schnell zu ende gebracht und ich wechsle in die küche. es hat noch spagettiresten von gestern und die brutzeln in der pfanne, während fredel mir den undichtesten tag in unserer reisgeschichte vorliest. dann wechseln wir raus, auf eine bank am see und essen die angebratenen resten.. wie ich das liebe!! aufgewärmtes.. jeder biss voller genuss und um uns sieht man den frühling. in form von grün und von rumschmusenden päärli.. nun gut, wir vergessen das vor lauter herie, oder sind wir schon zu lange zusammen? ;-).

im matzmobil wasch ich ab und horche dem rest des 20. septembers.. dann setzt auch ich mich wieder an den compi und will gestern schreiben, aber mich gelüstet jetzt grad auf einen gump in tiefe vergangenheit, was haben wir vor 3, 2 und 1em jahr gemacht? dann tipp ich einen anderen tag und fredel liest mir wiederum was vor, ich dopple nach und dann wollen wir nur noch raus. ein zu schöner tag, um nur drinnen zu sein. also runterfahren und ausrücken. die vaio dame kommt mit, hier hat es ja ein schnelles internetkaffe, das muss man nützen. auf dem weg dahin schauen wir uns nach einem ciosco um.. aber immer wenn man so einen sucht, hat es sie plötzich nicht mehr ;-).

dann eben erst ins www tauchen und homepage anpassen, das ein oder andere mail empfangen und froh sein, dass die viren vom antivirus program abgeblock werden. lange halten wir es auch da nicht aus, der frühling lockt uns raus, wir schlendern durch die laue luft und atmen ein und aus und kommen am (richtigen?) jesus vorbei. eine etwa 4 meter hohe holszstatue wird vom künstler ausgearbeitet. wow. foto und weiter.. dann etwas weniger erfreuliches, wir sehen ein riesen gebäude, dass eben nicht mehr so riesig ist. nüd putzt besser als äs füür (würde patent ochsner sagen). wir fügen dazu, vielleicht tut ein vulkan noch besser putzen.. aber dieser grossbrand ist sicher nicht durch diesen verursacht worden.. sieht bös aus..

wir passieren also die riesige hausleiche und gehen weiter zum schwarzen strand von pucon. es hat wind und wir sind schnell wieder weg. endlich finden einen laden, wo sie zeitungen verkaufen. auf den tip von henri erstehen wir uns den montags mercurio mit den anoncen für landverkauf. weiter gehts, fredel brilliert mit den ortskenntnissen vom letzten mal, was einen supermercado betrifft (an den strand konnte er sich nicht erinnern). wir motzen das abendliche, kalte plättli etwas auf. ich kauf einen salat, fredel brot und weg sind wir. mich ziehts nach hause, mein info-mann macht noch einen schwenk zum touristinfo.

neben dem matzmobil, zwischen zwei bäumen mach ich die qigong übungen im frühlingswind, die sonne lacht mir ins gesicht. tut das gut!! ich geniess jede bewegung, wennschon meine unterschenkel etwas schmerzen vom gestrigen ski effort. dann setzt ich mich, mit dem hörbuch am ohr, noch etwas vors matzmobil und schau in die schöne, frühlingswelt raus. ein obdachloser schläft auf einer bank, eine mami mit kind kommt mich grüssen und das junge päärli links auf dem terässli ist noch immer am rumschmusen. es kommen immer mal wieder menschen, die einfach nur langsam schlendern und wohl den schönen abend so geniessen wie ich es auch tu. eine frau schenkt mir ein kurzes lächeln und ich hab das gefühl, das ist voller liebe.

einen moment später, steht eben diese frau neben mir, gibt mir zur begrüssung den üblichen backenkuss und stell sich vor. ein paar worte und weg ist sie, abschiedskuss, von mir mit einem griff an ihren nacken unterstützt.. eine fremde frau, und doch scheinen wir uns zu kennen. ein engel? eine fee? für mich war das auf jeden fall intensiv, ich lass es nachwirken und geniess solche moment sehr. da geht es nicht um äusserlichkeiten, da geht es um verständniss der seelen. adieu, suerte, du frühingsfee! nach einer weile stell ich wieder auf play und hör weiter den worten des erleuchteten. ich bin fast etwas enttäuscht, als die worte wieder von vorne beginnen, kapitel 1! also hab ich alles durchgehört. schade.. wennschon ich das sicher nicht das letztemal reingezogen hab. aber für mich könnte der nette herr noch endlos erzählen und plaudern.. nun ist es wohl an mir ;-).

ich tauch also wieder auf, bin hier und jetzt und schau um mich und seh meinen frisch rasierten jüngling, wie er mit der riesen zeitung kämpft ;-). die sonne ist noch immer präsent, geht gegen den see unter. so eine lage, das wär genial. nicht unter einem vulkan, nicht mit so vielen häusern rundrum, aber die himmelsrichtung würde stimmen. abendsonne, wär schon genial.. wir sinnieren ein wenig und dann sitz ich wieder da, schau der sonne beim untergehn zu.. zieh die frühlingsdüfte durch die nase ein.. ich bin nicht die einzige vor ort. zu friedlich ist der ort, ein magnet, auch für andere. schön können wir hier wohnen.

erst als es langsam frisch wird, erklimm ich den tritt in unser matzmobil paradies. nach ein paar zeilen lesen bereit ich den salat, das kalte plättli und alles wird verspiesen. fredel ist sogar aus seiner welt aus zeitungspapier aufgetaucht ;-). grad massen an ländereien hat es nicht da drin, oder zumindest nicht grad auf den ersten blick. aber wir werden unseren flecken schon finden, wenn es sein soll.. bin ich überzeugt. und es soll sein ;-). zum dessert einverleiben wir uns noch einen resten sachertorte (mit mineralwasser versetzt, wir hatten ja mal einen lecken tag, anno ;-).

jetzt bin ich reif fürs bett, umschlinge mich mit orangem sattin und vielen, warmen federn.. ist es schön in unserem schlafgemach! heut geht auch mein aktuelles, nicht sehr fantasievolles buch zu ende. und damit wird auch das schlafen eingeläutet.. aber igendwie will es bei mir nicht so recht.. ich schwitze vor mich hin, muss wohl was raus, und wende und drehe, vielleicht der vollmond?, und versuch in die ruhe zu gehen, in mich zu gehen, und wende und drehe und bin wieder wach um das ganze prozedere von vorne zu beginnen. auch fredel hat nochmal einen plauderanfall, er ist in gedanken von sachen lande etc.. auch an dem studier ich rum und dann wieder wenden, drehen ;-). irgendwann hab ich genug, bitte um schlaf und so geht es doch.. gut nacht, oder ist es eigentlich schon guten morgen?

bis wir beide uns aufgerafft haben unsere füsse von unter den warmen bettdecken endlich mit dem kalten fussboden auszutauschen, der nun langsam warm wird, weil schine schon eingeheizt hat, hat uns der frühling praktisch schon überholt.

nicht dass wir die frühlingshaften gefühle wild und hemmungslos ausgelebt hätten, aber ein gewisses quäntchen frühlingsmüdigkeit lässt sich bei beiden, jedoch vorallem bei ruscheli nicht verleugnen. ob die unterschwellige mötzigkeit dann aber von unterdrückten frühlings gefühlen oder andere zyklisch immer wieder kehrenden anomalitäten herrrührt ist nicht genau zu erruieren. am besten nicht mitmachen, hinsetzen, kaffe trinken, und einen versöhnlichen vorschlag bringen, dass ich ja die erste runde fahren übernehmen könnte. so unter uns gesagt fahren wir heute eh nur grad bis pucon runter und stellen uns an unseren alten stammplatz am quai hin...

als wir die talfahrt unter die räder nehmen, kommen uns nicht sehr viele autos entgegen. ich nehme an heute ist sowieso zu viel wind, mit anderen worten; montag und das skigebiet bleibt mindestens bis zwei uhr geschlossen. der einzige der aber jeden tag hochgekommen ist, und auch immer den ganzen tag geblieben ist, kommt uns auch heute morgen entgegen. der parkplatz einweiser mit dem sonnen-regen-schneeschirm. freudiges winken beiderseites und dann lassen wir die langsam schwindenden schneemassen und somit unseren vier wochen dauernden winter hinter uns. an der quelle des frühlings wie uns scheint parkiere ich unser heimetli. die blühende vegetation um uns rum sind deutliche boten, dass wir uns nicht getäuscht haben. ab jetzt ist frühling!

und wenn der frühling schon alles neu erblüht, neues leben entstehen lässt und bekanntlich alles neu macht, stehe ich nicht hintenan und mache gleich mit. nicht dass wir zwei nun meine frühlingshaften gefühle ausgelebt hätten. diese wurden aber gekonnt übertüncht mit einer, im feuerwehr kombi unter dem matzmobil liegenden tankreparatur aktion. sikaflex for ever. und die radspritzlappen können auch noch für andere sachen verwendet werden als nur zum rückwärts fahrend abgerissenwerden. den ganzen morgen bin ich am reinigen, schneiden und kleben. zwischendurch fragt mich ein offensichtlich faszinierter herr mit seiner offenschtlich überhaupt nicht faszinierten tochter über das extraordinario mobil aus.

wie es sich gehört, ist meine frau in dieser zeit daheim und macht den haushalt. nicht nur das, sie kocht sogar das zmittag. was genauer ausgedrückt heisst, dass sie uns die resten spagutz von gestern aufwärmt. wir müssen uns beide erst wieder an möglichkeiten der moderaten temperaturen gewöhnen. dass man nämlich auf dem bänkli am seeufer essen kann, muss einem erst in den sinn kommen. mit herrlichster aussicht über den ganzen see sitzen wir also zusammen auf unserem terässli und geniessen das köstliche zmittag. zum dessert schreibe ich gleich noch hurtig - als ob dies jemals hurtig gegangen wäre - den rest eines tagesberichtes zu ende, lese schine vor, und schlage dann vor, besser einen kleinen frühlingsspatziergang durch pucon zu machen, als zuhause am kompi zu sitzen.

der nachmittag geht dann jedoch nicht ganz ohne eben dieses vor dem kompi sitzen vorüber. drei quadras weiter genehmigen wir uns nämlich einen cortado, empfangen und schicken mails und beamen dabei auch gleich die aktualisierteste fassung unseres tagebuchs in die weite web welt raus. danach machen wir uns auf die suche nach einem kisco. henri unsere schweizer bekanntschaft von der tankstelle, hat uns den tip gegeben, dass im montags mercurio welcher in etwa dem tagi entspricht, ein landwirtschafts magazin beigelegt ist wo meistens auch irgendwelche funditos oder chacras ausgeschrieben sind.

wie immer, wenn wir was suchen, wurde pucon von einem augenblicklichen kiosco sterben heimgesucht und wir finden nicht einen einzigen der ansonsten an jeder ecke stehenden süssigkeiten und zeitungen verkaufsstände. dafür den - richtigen - jesus. aus einem gewaltigen baumstamm gefräst, inklusive angelehnter leiter des künstlers, welche aber eher den eindruck macht als gehöre sie zum kunstwerk dazu. ob nun zum aufstieg in den himmel oder zum abstieg vom kreuz sei hier mal dahingestellt..... drei quadras weiter besichtigen wir die auswirkung von dantes inferno. sehr offensichtlich und unübersehbar ist das casino, inklusive dachstock des angrenzenden hotels bis auf ein paar ziemlich verbogene metallträger abgebrannt. als ob sich der rauch und die asche bis zum strand weitergezogen hätten, stehen wir bald darauf wieder am wasser und bestaunen den brandschwarzen lavasand strand.

auf dem heimweg,und nur weil wir es schon wieder fast vergessen haben, können wir dann doch noch einen mercurio erstehen. ich schicke ruscheli mit kompi und zeitung schon mal nach hause, während ich noch eine kleine huelta zum tourist info mache. mit einigen informationen über thermen - welche schine eigentlich schon wusste, sie weiss eigentlich fast alles über fast jede terme - komme ich zurück. meine frau steht zwischen den bäumen und verrenkt ihre glieder bei tschi und gong. ich finde ebenfalls eine sehr lohnenswerte tätigkeit, und rücke meinem wildwuchs in und ums gesicht zu leibe. dieses unterfangen dauert dann etwas länger als normalerweise, da der letzte schnitt auch schon etwas länger als normalerweise her ist .

mit unanständig nacktem gesicht setze ich mich ebenfalls raus, und vertiefe mich in das eigenartige nicht wirklich irgend einer handlichen logik geformten format des mercurios, dessen in micro schrift kleingeschriebenen inserate zum glück von der im see versinkenden sonne gerade noch leserlich hervorgehoben werden. zum kochen haben wir eigentlich beide keine grosse lust, worauf ich schüchtern und möglichst noch in gebückter haltung - das ist meistens eine vielversprechende taktik - den vorschlag eines kalten plättlis mache. volltreffer! ruscheli führt sich einen von essig übersäuerten salat zu gemüte, und ich widme mich dem frischen baguette brot und dem caramelisierten schinken.

als ob dies noch nicht genug gewesen wäre, teilen wir uns danach noch ein törtchen. der boden der kreuzung zwischen sacher und schwarzwälder torte ist - damals am tag wo alles rünnte - etwas im mineralwasser gebadet worden. wenn man sich nun aber die erfrischende feuchte des mineralwasser durchtränkten torten bodens als durchtränkten zuger kirsch torten zusatz vorstellt, ist das ganze beinahe wieder köstlich. ein weilchen diskutieren wir beiden noch über ländereien, chakras, fundos und terrenos, stellen uns sonnenuntergänge und vulkanaussichten vor und liegen alsbald im bett. da diskutieren wir beiden noch ein bisschen über ländereien, chakras, fundos und terrenos, stellen uns sonnenuntergänge und vulkanaussichten vor und können dann immer noch nicht wirklich schlafen.....

die fotos und videos vom heutigen tag findest du in der fotogalerie!



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