tagebuch 26. mai 2007
argentinien / nationalpark tierra del fuego


fiirä in pataia, weisch was i mein... der triologie erster streich.....
hab ich gut geschlafen, als ich erwache, denk ich: schon wieder um drei uhr wach? licht rasch an, uhrenkontrolle: es ist nach acht am morgen.. aha.. die sonne kommt also erst mal gegen neun uhr raus, die tage werden kürzer und kürzer, noch einen monat lang. mir soll es recht sein, noch etwas an fredel kuscheln, rumlümmeln und fredel meint: wir bleiben noch bis 10 im bett, ich zücke das buch und dann steht mein mann doch auf und bereitet frühstück, aha.. ich mach dafür die übungen nicht, unter dem vorwand, die 3 tage feiern sollen ohne morgeneffort gestaltet werden (fredel meint: gute ausrede gefunden ;-), recht hat er.. ).

kaum etwas kaffe intus, mit sojamilch (haben wir gestern mal wieder kaufen können und die packung ist undicht, also weg damit ;-), rumpelt es in meinem bauche, ich stürze raus um mich zu erleichtern und merke: unsere bründslischuhe, typ gummischlarpen mit löchern, barfuss darin, sind nicht die idealen begleiter für einen ausflug in die büsche, wenn denn eben so viel schnee liegt, dass man bis zu den knien einsäuft.. ich stürme zurück, meine füsse rebellieren, kneip jubiliiert, ich beklage mich über die situation und find kneipp extrem.. ja, sogar etwas möffel-stimmung kommt in mir auf, obschon das ja wohl nichst ist, etwas kalte füsse. aber irgendwie ist bei mir im moment das eis dünn, kann schnell mal eine stimmungsschwankung um die ecke kommen. warum? vielleicht weil ich tiefer geh, in mich rein, mein verstand will das nicht, ich schon, tut mir so gut, und dann kommt eben die innere rebellion und will mir weismachen, dass da nur chummer und sorgä gibt?!? könnte zumindest sein. heut morgen war ich übrigens eine weile, als ich noch wach im bett lag, fredel noch schlief, in eine mediation vertieft gewesen, war an meinem fluss, konnte mich in gold baden und waschen und reinigen, war echt genial..

nun stülp ich mir die stiefel über (musste sie noch totzgeladen suchen im schrank) und stampfe erneut in den schnee raus und finde es einfach nicht ideal, im winter sein geschäft zu verrichten ;-). jaja, ich lass es raus, pfuttere noch etwas vor mich hin und schon bald scheint wieder die sonne. am besten etwas in die natur raus, fredel macht mit. so steh ich bald wieder im schnee, aber diesmal gut ausgerüstet, mit gamaschen, warmen schuhen und kleidern, es kann losgehen. unser ziel: die bucht lapataia, das ende der strasse nummer drei, überhaupt das ende des weiterkommens mit rädern.

wir machen das zu fuss, schliesslich steht unser haus so schön im schnee. ein paar hügel rauf und selbige wieder runter, durch wunderschönen wald, an bibberdämmen vorbei, alles ist weiss.. winter! schon schön! wennschon ich allzukalt nicht schätze, find ich die winterluft einfach genial. durchatmen, schritt für schritt, der schnee knistert und wir plaudern über dies und das. fredel äfft mich nach, dass ich immer wandern will.. er verrarscht mich auch indirekt über meine morgentliche: ist die welt ungerecht mit mir, fase und ich sag zu ihm: du kannst ja froh sein, dass ich das alles überhaupt mitmache ;-). worauf er meint: DU wolltst hier runter, in den winter, er wäre in brasilien, mit 2 chicas im arm.. nun gut, die zwei schnitten würd ich schon verjagen ;-). muss ihm recht geben, ich wollte hier runter ;-). aber so gar nicht gefallen tut es meinem manne ja nicht wirklich.

weiter geht es durch den wald und dann sind wir da, am ende der dritten strasse.. am ende der welt ;-). eine familie kommt uns entgegen (so dass wir den platz dann auch schön für uns haben) und meint: da hätte es einen königsadler, vorne auf dem aussichtspunkt.. nun gut, übertreiben ist ja gut und recht, aber wir lachen schon etwas, als wir da 2 hugos sehen ;-). scheu sind sie wahrlich nicht, aber vom adler-aussehen doch etwa so weit enfernt, wie wir grad von buenos aires.. wir schauen etwas auf den fiord raus und gehen dann wieder den gleichen weg zurück. nun ist aber irgendwie alles anders.. vorhin noch wünschel-märli-wald feeling mit, uns gehört die welt effekt, nun geht es zu und her wie in einer grosstadt.

autos, taxis, kleinbusse und sogar riesen care fahren uns entgegen.. ja aber hallo, weiter von der hochsaison kann man wohl nicht entfernt sein, aber auch jetzt noch pilgern menschen hier runter (wie wir ja auch ;-). wir sind also mehr im strassengraben (gut hab ich gamasschen an) als auf dem weg ;-). als dann noch eine riesen strassen-maschine kommt und den schnee wegräumt, grinsen wir nur und machen uns auf, in die ruhe des matzmobiles zu schlüpfen. aber da drinnen sieht man ja nicht raus, weil alles voller dreck ist (ja, unser haus ist echt nicht grad hübsch im moment).. also packt sich fredel einen schabber und geht aufs dach um die solarpannel zu putzen, ich schruppe die fenster und mach es uns dann drinnen gemütlich.

mich gelüstet nach salat und das waschen des wiederspenstigen dinges (mit tausend fingern) raubt mir schon wieder etwas meiner nerven.. dann fällt mir noch dies und das runter und schon wieder ist mr. möffel bei mir am schüren und mir vorgaukeln, dass ich nicht zufrieden bin ;-). fredel zieht sich rasch zurück und ich beginne mich zu beruhigen.. ein blick in die natur, etwas essen und sie lacht wieder. ja, ruschelli morelli und ruschelli glücklichelli wechseln sich ab. wie wird das wohl bei mir in den wechseljahren?!? ;-). der salat war übrigens das viele wasser nicht wert! wie altes gras, oder so. ich zwing mich doch und fredel bereitet sich ein schönes plättli mit wurst, oliven etc..

ich dopple nach und bald tunke ich altes brot in tomatenpurree.. ja, das erste mal gefunden, so richtige purree.. das mit dunklem brot, ja, das lieb ich doch und geb auch fredel noch was ab. nach abräumen geh ich hinter den compi und wähle die bilder für die letzten tage aus und dann, dann entsinne ich mich, dass wir ja heute feiern wollen, und morgen, und übermorgen. ja, wir wollen eine trilogie durchziehen.. in pataia, weisch ;-). fedel soll alkoholtechnisch wählen und alsbald stossen wir mit gespritzem weissen auf uns und das leben und den umzug ins matzmobil vor drei jahren an. ja, da wurden die letzten sachen aus der wohnung geschafft und rene hat uns unheimlich geholfen mit dem einsatz seines müllwagens.

jimmi derweil hilft uns heute, das richtige menue zu wählen: fondue, ja, das hat sie uns mitgebracht und nun wird die letzte portion gegessen, freu mich jetzt schon. noch was in sachen essen: fredel hat einen neuen namen: krümel.. ja, er hat irgendwie ein verhältnis mit der kecks-dose angefangen ;-). schleicht wärend der nacht aus dem bett um sich mit caleta zu amüsieren ;-). krüüüümel, krüüüümel.. ruf ich ihm ab und an zu.. oder teppich, aber das hat er nicht so gerne (seine frisur ist angesprochen) und dann natürlich auch nettere sachen ;-). meine lieblingsworte im moment sind: lalalaaa.. das natürlich "lustig" betont ;-). ja, wir beiden sind hald schon lustige gesellen, immer für ein sprüchli z'ha ;-).

die zeit bis zum fondue muss also über die runden gebracht werden. fredel lässt seine konzentrationsfalten tiefer und tiefer werden, gebeugt über das sudokubuch, sitzt er mir gegenüber.. ich tippe komentare zu den fotos, nehm ab und an einen kleinen schluck vom gespritzten weissen, der fredels glas schon lange nicht mehr ziert ;-). ich werd jetzt noch einen tag fertigschreiben und dann ist listo für heute, computertechnisch. haben ja noch zu feiern. drei jahre wohnen wir nun schon in unseren rollenden haus, kommt mir schon ewig vor und irgendwie doch nicht.. mir gefällt es noch immer, unser haus, ich fühl mich wohl, es ist unser zuhause, unser nest, unsere wohlfühlinsel, unser universum irgendwo in der welt draussen, das uns schützt und erfreut.. wo immer wir sind, wir sind zu hause. danke liebes matzmobil, wir schätzen dich.

nach dem durchlesen der berichte vor 1 und 2 jahren fahr ich dann wirklich runter und geh ins lesen spanischer lektüre über. fredel derweil schneidet schon mal brot in mundgerechte stücke (grössere für ihn, kleinere für mich). ich bereite den rest, sprich: fonduemischung in die pfanne hauen und etwas nachwürzen. ja, dank jimmi ist das möglich, schweizer fondue im schnee von feuerland. fredel bastelt noch eine halterung fürs pfännli und ich meine, er soll doch den film schon mal vorbereiten, den wir uns anschauen wollen. er gibt mir spruchmässig zurück: es kocht ja noch nicht mal käse in der pfanne. nun gut, 3 jahre im matzmobil und ich weiss es genau: fredel hat immer etwas länger, bis der film läuft und ich zünde doch die gasflamme und lass den käse schmelzen.

es kommt, wie es kommen muss ;-). ein hin und her, der käse kocht und kocht und ich greife ein, besser ohne filme als mit zu lange gekochtem käse. fredel nimmts persönlich und wir schnautzen uns, so zur feier des tages, grad etwas an.. gehört auch dazu im matzmobilleben, das ist klar. wär doch eigentlich schön, wenn nicht grad an feierlichten tagen, aber das lässt sich nun mal nicht lenken. etwas weniger enspannt als üblich, tauchen wir brot im käse und sind bald wieder nett zueinander. wie wenn käse die stimmung um sich aufnehmen würde, schmeckt er ein wenig bitter (wohl schon zu lange gelagert), aber wir essen doch alles auf.

nach dem abwasch schlüpfen wir ins bett und es brachte uns nichts mehr aus der warmen burg.

in anbetracht dass heute eine feier triologie beginnt, schlage ich vor, bis zehn uhr im bett zu bleiben. als dann meine frau das buch zur hand nimmt, wird dieser vorschlag hinfällig und ich steh auf und koche uns kaffe.

während wir gemütlich zmörgelen versuchen wir die drei gründe für die drei tages feier zu benennen. etwa heute vor drei jahren sind wir ins matzmobil umgezogen. morgen vor drei jahren sind wir dann so quasi eingezogen, und übermorgen vor zwei jahren sind wir in buenos aires auf den südamerikanischen kontinent gefahren. somit wäre klar, die nächsten drei tage werden wirs uns einfach mal gut gehen lassen. ohne einen gedanken an gewicht, kalorien, alkohol oder ungesund zu verschwenden, werden wir sein, feiern und geniessen.

auch das wetter scheint den winteranfang zu geniessen. schon brechen die ersten sonnenstrahlen durch die wolkendecke. schnitz schlägt vor, eine kleine wanderung ans ende der ruta drei zu machen. das ist da, wo es wirklich nicht mehr weitergeht. quasi das ende der welt, oder wenigstens der strasse in argentinien. dass dieser ort pataia heisst ist irgendwie ungewohnt, aber wir finden uns damit ab und reissen sprüche. drüü taag fiire in pataia wed wäsch wani main... als meine frau dann den kampf mit der morgentoilette im knöcheltiefen schnee gewonnen hat, beginnen wir uns richtig anzuziehen. mit kappen handschuhen und gamaschen - wenigstens schnitz, meine sind irgendwo in den unendlichen tiefen des universums verlorengegangen - machen wir uns auf, pataia zu erkunden.

wir folgen der tiefverschneiten strasse. links und rechts säumen winterlich kahle bäume mit schwerem schnee auf ihren ästen den weg. bald kommen wir an einen ersten kleinen rundkurs. dieser führt uns zu einer castoren siedlung = bibersiedlung. und tatsächlich sind ein stück im wald hinten, zwar keine biber, aber wenigstens ihr werk zu sehen. zwei drei vier dämme stauen ein bächlein zu seen. ein einsamer besucher, der uns entgegenkommt meint, die biber seien eben nachtaktive tiere. wir sind nicht ganz sicher ob nachtaktiv, oder im winterschlaf.......?

wir wandern weiter durch die märchenhafte winterlandschaft und kommen bald in pataia an. hier empfangen uns hölzerne stege die uns auf einen kleinen rundgang mit aussichtspunkten führen. uns kommt eine familie entgegen, und der herr meint mit donnernder stimme, da vorne habe es zwei königsadler auf dem geländer. wir sind gespannt und schleichen leise über die holzplanken. als wir dann aber auf dem geländer zwei hugos sitzen sehen müssen wir lachen. aha königsadler sollen das sein...... ich schnappe mir den fotoapparat und gehe gemütlich auf die zwei gefiederten freunde zu. diese scheinen sich an menschen gewohnt zu haben, und lassen mich beinahe auf armlänge an sich heran, ehe sie sich aus dem staub machen.

nach der begegnung machen wir uns auf den rückweg. und erst jetzt wird uns bewusst, dass wir den park, obwohl wir antizyklisch unterwegs sind, nicht ganz für uns alleine haben. während wir da so durch den wald stapfen, müssen wir immer wieder wieder von der strasse, um dem plötzlichen verkehrsaufkommen platz zu machen. als uns dann auch noch zwei reisecars von der strasse verscheuchen, freuen wir uns, schon bald zu hause zu sein. aber auch als das matzmobil in sichtweite kommt, trauen wir unseren augen kaum. es piept und pfeifft, und schiebt den schnee von der strasse. eine dieser strassenmaschinen wird hier auch als schneepflug eingesetzt. die ganze breite der strasse wird fein säuberlich vom schnee gräumt, respektive abgehobelt, dass dann der festgepresste nass schnee auch so richtig gut gefrieren kann.....

zuhause angekommen wartet dann aber der ernst des lebens auf uns. schine meldet sich freiwillig, die fenster vom hartnäckigen schmutz zu befreien. ich derweil klettere aufs dach und befreie die solarpanels von schnee und vorallem eis. dann beginnt der erste teil der triologie. schnitz vergeudet den halben tank wasser um ihren bis in die letzte pore vor dreck strotzenden salat zu säubern. dabei kippen und fallen so einige sachen um und zu boden, dass meine frau ein klein wenig unmut versp(r)üh(r)t. ich verziehe mich bis der unmut ebenfalls verzogen ist, und dann sieht die welt schon wieder ganz anders aus. sie knabbert an ihrem salat, ich geniesse meine oliven mit sardellen gefüllt mit ein paar cherry tomätli und mortadella streifen. diese delikatesse versucht schine dann zu topen und zaubert ein bubi dösli tomaten puree hervor. so richtiges konzentrat. fehlt nur noch das bündnerfleisch dazu. aber dann gleich ein zwei kilo bitte!

während ich am sudoku sinnieren bin, stellt schine den kompi auf den tisch und beginnt mit fotos sortieren. bald kommt aber die frage auf, ob wir eigentlich heute gar nicht mehr feiern. ich verstehe, und sekunden später steht ein gespritzter weisser auf dem tisch. wir stossen an, auf unseren mut, eine richtige wohnung aufgegeben zu haben, auf den mut zusammen auf den paar quadratmeterli zu leben in das wir vor drei jahren eingezogen sind. ruscheli sortiert noch eine zeitlang fotos, vergisst beinahe den gespritzten weissen, während dieser in meinem glas zu verdampfen scheint. bald mal drängt uns dann aber der hunger zu anderen taten.

als ich mit brotschneiden beginne und einen zweiten drink mixe, schält schnitz schon mal einen knoblauch. bis dann rechaud und pfanne herausgesucht sind, ist es auch schon an der zeit den käse zu schmelzen. da zu einer feier bei uns meistens auch ein film dazugehört, suchen wir uns auch eine cd aus. ruscheli zuliebe - und weil ich eh die ganze handlung schon wieder vergessen habe, wenn es denn überhaupt eine gibt - schieb ich die selbstgebrannte dvd von mr. und mrs. smith in meinen kompi. aber irgendwie ist der wurm drin. ich probiere eins ums andere programm, aber der film will nicht laufen. schine derweil wird etwas ungeduldig, da der - von ihr so geliebte käse - den schmelz punkt schon überschritten hat. als ich dann noch ein weiteres programm ausprobiere, schlägt die ungeduldigkeit in gehässigkeit über, und um das fondue zu retten,. breche ich die filmprogramm suche ab, womit mit unserer stimmung in etwa das selbe passiert.

je länger wir aber brot im käse baden, umso lockerer wird die stimmung zwischen uns wieder, und ich kriege sogar die letzten drei gabeln fondue ganz für mich alleine. zusammen erledigen wir den abwasch krampf und legen uns alsbald ins bett. zum schlafen ists noch etwas früh, aber für solche fälle gibts bücher und game boy. und für mich, in solchen fällen, auch noch meinen ausziehschrank wo eine schachtel krümel güetzi wartet. nur so, dass es einem nicht zu langweilig wird um den mund rum....

die fotos und videos vom heutigen tag findest du in der fotogalerie!



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