tagebuch 31. juli 2006
chile / palo buque - vor tocopilla


meine gleitschirmkarriere wird wohl nach 17 jahren flügge.. schwerwiegende entscheidungen.......
heut schlaf auch ich fast bis acht, die vielen brünsligänge heut nacht haben mich wohl geschafft ;-). ich mach die übungen für meine muskeln, mach kaffe und tee und ein müsli für mich und schon bald sitzen wir am tisch. wobei, fredel hatte ein wenig länger heute, aber wir haben ja keine eile. er hat dafür noch die heilschnecke auf den blauen finger gekriegt ;-)

dann gehts an den ersten feldtest unserer plastikgartenschaufel. gar nicht so schlecht, alles gut vergraben, aber hässlich ist sie, aber ist ja auch nur eine scheiss-schaufel ;-)). dann geb ich mich wieder kreativerem hin und modifizier meinen gestrickten füddli-umhang und tu an die, ebenfalls gestrickten halbhandschuhe noch ein paar chräleli dran. nicht mit viel fleiss, aber so sieht man was oben ist ;-). beide haben wir freude an unseren neuen kisten und tun noch fotos machen davon ;-).

nach etwas pottern sitzten wir beide am compi, schreiben was gelaufen ist und beobachten den wind. fredel wills genau wissen, bucheli auf dem dach, unser windmessergeschenk von meulis auf dem stativ, ein windfähnchen flattert, es kann nichts mehr schief gehen ;-)). zuerst tippen wir aber weiter und fredel kramt mir mal noch den schirm raus, ich schmeiss mich in fliegerklamotten. der wind ist noch eher unstet, aber der nebel scheint nicht lange auf sich warten zu lassen, also doch lieber sonne als nebel und wer weiss, vielleicht fliegts ja doch, auch mit weniger wind.

ich schreite zur tat, schnap mir mein fluggerät und entschwinde zur düne rüber. ich hab eine sitzung mit mir, dem wind, dem gleitschirmfliegen.. ja, vor 17 jahren hab ich das fliegen begonnen und es hat mir geniale flüge bescheert und viele erlebnisse ermöglicht. auch die freude für die berge hat der sport mir wiedergebraucht. alles in allem, eine gute zeit. aber für immer gewährt selten was und somit will ich mal wieder in mich gehen und mich mit der tatsache auseinandersetzten, dass ich selten noch die perfekten flugbedingungen finde und schon bei mässigen turbulenzen nicht mehr in aller wöhle in der luft hänge. dann braucht so eine ausrüstung in einem matzmobil sehr viel platz. ich hab die möglichkeit mit fredel zu fliegen, oder sogar mit seinem soloschirm. ist es also angebracht, mich von meinem geliebten epsilon zu verabschieden?!? mit solchen fragen im kopf setzt ich mich also auf die düne und frag das windorakel.

es bläst aus allen richtungen und will es mir nicht so wirklich sagen. vielleicht hilft ein flug, um einer entscheidung näher zu kommen, also auspacken, auslegen und zusehen, wie es mir den schirm in den winden fast aufdreht.. ja aber hallo? später werd ich mich noch falsch ausdrehen beim start.. ist eine verdrehte sache, so ein entscheid ;-). also, aufziehen und etwas rumspielen und bald bin ich in der luft, es reicht aber nicht ganz um höhe zu machen. ich geniess das surfen entlang des sandes trotzdem. ich hab es schon gerne, mein epsilonschirmli.

ich versuch also nach landung wieder mit dem schirm oben etwas höhe zu fuss zu machen, dann wieder starten, das ist anstrengend und macht müde. der wind ist noch immer recht bockig und will mich nicht rauftragen. als dann ein auto einer flugschule direkt auf die düne fährt, verfall ich aber in eile. ich will noch vor all denen in die luft, rauf, über die kleine düne!! also noch etwas raufwandern und mehr aufwind zu haben und starten. und diesmal reichts, die lüfte tragen mich in die höhe und noch höher und sie reissen am schirm. ich bleib ruhig, aber merke auch, dass, wenn es zu fest rupft, nicht mehr der wohlgenuss ist für mich. also rauftragen lassen so hoch es mich mitnimmt, eindrehen und dann raus auf die fläche.

jetzt werden dann sicher all die flugschüler eh rausstarten. ich hatte die düne für diesen entscheidungsfindungs-flug für mich, das wollte ich so und somit ziel erreicht, ich setzte bald zur landung an. nebenbei erwähnt, es hat nur ein biplace rausgestartet, wär also nicht busy geworden. dafür wurde später der wind stärker, was mir sicher auch nicht gefallen hätte. ist also gut, hab ich wieder festen boden unter den füssen. fredel kommt auch des weges und ich verkünde: ich trenn mich von meinem eigenen schirm. wir haben mehr platz im matzmobil. wenn die verhältnisse super sind, kann ich noch mit fredels schirm fliegen (und ich will eh nur noch raus, wenn es mehr als perfekt ist) und sonst kann ich noch mit fredel im doppelsitzter mitfliegen. fredel muss mir versprechen, dass wir auch an dünen zusammen fliegen werden, das ist für mich nämlich noch immer ein highlight, mit blick aufs meer in der luft zu hängen. aber ob man da alleine oder zu zweit ist, das macht keinen grossen unterschied.

so kommt es also, dass ich fredel meinen schirm grad übergebe für einen flug. er soll ja noch mein sitzgurt testen. den würd ich ihm dann übergeben, wenns dann passt. er startet und auch er hat zu kämpfen mit dem bockigen wind. ich sitzt wieder alleine an der düne, schau rauf zu meinem lieben schirm, der mir viele jahre guter begleiter ist, und es bricht mir schon ein klein wenig das herz. aber nach 17 jahren scheint meine flugkariere flügge zu werden, ich lass sie ziehen ;-). mir gehen gedanken über wunderschöne flüge durch den kopf, aber auch über die vielen zweifel in letzer zeit. heut ist der tag der entscheidungen. und mehr platz im matzmobil ist eh auch eine gute sache!! da freu ich mich drauf.

nun gut, fredel kreist also in unendliche höhen rauf und ich sitz, immer noch mit helm auf dem kopf, im sand und bin bei mir, schau die aussicht an: ist eigentlich auch schön vom boden aus ;-). es wird mir einmal mehr klar, ich bin viel ruhiger geworden als person. bin ich dankbar drum. auch dankbar bin ich, dass ich so viel schönes erleben darf, durfte und wohl noch weiter darf.. ich bin ein glückskind, ich bin zufrieden mit mir und der welt und seh verträumt auf meinen schönen schirm mit meinem genialen manne dran, rauf.

als der wind noch einen zacken zulegt informier ich fredel über funk und der macht sich langsam auf, höhe zu vernichten. der biplace setzt auch zur landung an und ich halt die beiden, als der wind den grossen schirm nochmal wegschleifen will am boden. ein kurzes hallo mit dem älteren herrn und dann ein hallo mit fredel, der auch sicher am boden ist. im windschatten des matzmobiles nehm ich nochmal etwas abschied mit fotos und mit viel reden und mit wer weiss noch was. ein emozioneller tag heute, für mich zumindest ;-).

an die vorstellung, meinen schirm vielleicht ganz wegzugeben, kann ich mich nicht so richtig gewöhnen, es bricht mir doch fast das herz. aber was soll das liebe fluggerät da nur rumliegen und nicht gebraucht werden? macht auch keinen sinn.. aber vielleicht als dünen-sauschirm?? hihih... ja ja, zweifel sind menschlich, aber im grunde weiss ich schon um was es geht. ich fühl mich am schirm nur noch bei perfekten verhältnissen wohl, wenn es ruhig ist, wenn die szenerie stimmt und überhaupt. und, um ehrlich zu sein, solche verhältnisse finden sich höchst selten ;-)))

also, ab und einpacken. aber mein schirm will nich rein ;-). er möchte sich mit luft füllen ;-). wir bändigen ihn aber doch und ich merk erst jetzt richtig, was für eine saukälte es eigentlich ist. unterdessen ist der nebel wieder über uns, der wind stark und kalt. schnell ist beschlossene sache, wir fahren noch etwas weiter. morgen ist erst august, wir wollen feiern. und hier ein feuer machen, na ja ;-). also alles einpacken, losfahren und, ein klein wenig müde von all der anstrengung, vor uns hin sein ;-). ich hätte socken anziehen sollen, "dä winter chunt" ;-).

wir essen manderinli, fredel geniesst es, die schalen rauswerfen zu können. darf er doch kaugummis nicht rauswerfen - er hat eine böse frau ;-). wir bewerten die laufende musik im soniky und wir plaudern und sinnieren und sind und fahren und fahren. die strecke kennen wir ja schon und sind diesmal vorbereitet auf dei zollstation mitten im land. wir verlassen das zofri-gebiet. es geht aber nicht lange, da sind wir durch, einen stempel, nada mas. das hätten wir nicht erwartet, echt nicht. die einheimischen haben es für einmal etwas schwerer als wir. wird wohl viel geschmuggelt hier.

wir sehen der sonne beim untergehen zu, geniessen die farben der wüste und finden uns alsbald an einem semigemütlichen platz am meer. lange suchen wollen wir nicht, also installieren und fredel macht sich ans znacht. eine cuacamole. wir lachen nicht schlecht, als wir realisieren, dass wir - das nach langer erfahrung in dem balang - es doch mal wieder geschafft haben, peterli anstatt koriander gekauft zu haben ;-). bei einem wärmenden tee essen wir die grüne sauce mit chips und dann gelüstet mich noch nach mehr. aber das bischen wurst hätte echt nicht sein müssen.

bald stecken wir im warmen bett, lauschen dem meer und ich hab einen halbwachtraum und sehe ganz viele baby alpacas die leiden. die felle neben mir geben mir das gefühl, ich sei ein verbrecher.. ich lass es einwirken, bedank und entschuldig mich bei den tieren und werd die felle in ehren halten, versprochen.

wir lassen den tag sehr gemächlich angehen. zum käfelen und teelen hau ich ein alfajörli rein, schine gelüstet eher nach einem müesli.

da der wind eh immer erst gegen nachmittag auffrischt, nehmen die kompis den platz auf dem tisch ein, und wir beginnen mit der verarbeitung der letzten erlebnisse. nicht ohne aber vorher bucheli auf dem dach aufgestellt zu haben, ein advance windfähnchen in sichtweite einzustecken - damit auch schine ganz genau weiss woher der wind weht - und als dritte kontrolle sowie zu buchelis überwachung, yaritas weihnachts geschenk, einen handwindmesser aufs stativ geschraubt zu haben.

zwischen tippen und käfelen starten wir mal eine grundsatz diskussion über ruschelis geliebten epsilon. die idee, das tuch wegzugeben ist ja schon ein zwei mal aufgekommen, aber so richtig durchdacht haben wir die möglichkeit noch nie. wir kommen also darauf, dass die verhältnisse wie sie schine liebt eher selten vorkommen. und sollten sie dann mal vorkommen, wir es eigentlich auch mit den gleitschirmen so halten können wie mit dem kite. abwechseln, freude am andern seinen höhenflügen haben, zwischendurch ausruhen, geniessen.... sollten wir dann mal beide lust zu einem flug verspühren, könnten wir immer noch einen passagier flug machen, womit wir schon fast alle eventualitäten abgedeckt hätten. ganz abgesehen vom mehr platz der uns mit einer flugausrüstung weniger zur verfügung steht, und uns das packleben einfacher macht.......

nach dieser diskussion wills schine genau wissen und wandert mit ihrem pack zur kleinen düne hoch. sie will das ganze noch einwirken lassen, spühren wie sie sich in der luft fühlt und das ganze noch in der praxis überfliegen... ich bin derweil immer noch am tippen, aber komme gut vorwärts. zwischendurch schaue ich immer wieder wie es meiner frau und ihrem schirmli ergeht. unterdessen hat sie ausgelegt, und gibt im böigen wind ihre aufziehkünste zum besten. als ich das nächste mal schaue, ist sie bereits in der luft und versucht nahe dem sandigen untergrund den wind einzufangen....

irgendwann landet sie in der nähe des matzmobils, und wir vollführen (fast) einen fliegenden wechsel. bei mir gehts noch darum, ihr gschtältli zu testen. meines ist auch schon ins alter gekommen, und wenn wir schon eine ausrüstung weggeben, können wir eine zusammenpassende für uns behalten. der wind hat nun etwas zugenommen, und ist recht bockig. bis ich endlich in die luft komme sind meine schuhe voller sand, und da die beingurte nicht wirklich auf mich eingestellt sind, meine männlichkeit schier im eimer.

nach einem schönen flug bis fast zuoberst an die grosse düne, funkt mir schnitz vom matzmobil, dass der wind unten recht zugenommen hat. ich fliege übers matzmobil und beginne mit höhe vernichten. wingovers, (steil)spirale, ohren (die am schirm) einklappen und habe immer noch höhe. schlussendlich bin ich gelandet, und schnitz ist - den helm immer noch auf dem kopf - zur stelle, abschied von ihrem schirmli zu nehmen. das advance gschtältli werden wir behalten, da es perfekt auf meinen schirm abgestimmt werden kann. das heisst es muss mal noch ein wenig anders eingestellt werden, da mir wie gesagt die beingurte etwas in den weg gekommen sind, sowie die einstellung eher auf liegestuhl als auf fluggurt eingestellt ist, und der beschleuniger eher einer kraftmaschine als einem speeder entspricht.

während wir den schirm zusammenlegen, entscheiden wir gleich einen spontanen aufbruch zu vollführen. erster august in antafogasta zu feiern scheint uns ein sehr guter plan, und in nullkomma vier mal kofferraum einräumen sind wir wieder auf der küsten strasse. es scheint, dass bald die saison beginnt. einige restauräntli sind neu gestrichen, nigel nagel neue coca cola fahnen sind aufgezogen, die kleinen strandabschnitte machen für chile verhältnisse einen richtig sauberen eindruck.

nach kurzer fahrt kommen wir am zofri zoll an. wir machen uns schon auf ein dokumenten hin und her gefasst. aber alles was passiert ist, dass wir einen einzigen stempel in das fahrzeug papier erhalten und dann weiterfahren können. nach je zwei stunden fahren, droht die sonne langsam aber sicher als roter feuerball im meer zu versinken. sobald der grossbrand gelöscht ist, fahre ich die nächst beste spur zur küste, und parkiere am nächstbesten ebenen platz. für eine übernachtung können wir über unseren schatten springen und müssen uns nicht allzu fest verkrampfen, und geben uns mit einem semigemütlichen platz zufrieden.

zum z'nacht war eigentlich der neue (vorgekochte) reis geplant, aber wie es ist wenn man sachen plant, waren dann die avocados reif für eine guacamole. und für eben diese guacamole haben wir den riesen busch koriander geplant, aber wie es ist wenn man sachen plant, war der koriander als peterlig getarnt, und wir begnügten uns mit diesem kraut als zusatz. schine beginnt dann zum dessert ganz unvernünftige sachen aufzutischen, und schneidet uns noch ein redli wurst mit einem bitz brot ab, was ihr aber gar nicht so gut bekommt, und immer wieder ein bisschen aufstösst.

den rest vom tag vertörlen wir uns im bett mit lesen, und löschen das licht schier erst mitten in der nacht um neun uhr....

die fotos und videos vom heutigen tag findest du in der fotogalerie!



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