tagebuch 20. mai 2006
bolivien / bei copacobana (am titicacasee)


mötziger morgen april stimmung am titicaca see....
irgendwie war die nacht anstrengend, ich weiss nicht warum.. fühl mich erschlagen am morgen und möchte am liebesten nicht aufstehen. kaffe und confi-brötli lockem mich dann aber doch raus. schön braf noch die übungen und dann hinsetzen und nach dem zweiten schluck kaffee merken, dass mir halb schlecht ist.. seltsam..

meine stimmung bleibt eine weile düster und ich beginne mit computerarbeit.. es wird die alde-heizung servicemappe ausgedruckt und weiteres. der drucker will nicht grad auf anhieb, soniky macht nicht grad schöne musik und ich nerv mich weiter. fredel begreift nicht, dass ich eher meine ruhe will und macht einen auf superlocker und mir helfen beim compi.. und ich weis ihn wieder darauf hin, dass ich schon mache und mich melde, wenn ich seine hilfe brauch.. mann.. heut morgen ist schwierig.. bin echt nicht gut drauf. also noch etwas aufräumen, dann wieder an den compi. es ist kalt, ich würde gerne die heizung starten, die eben nicht geht. mein vorschlag grad hinter die alde zu gehen kommt nicht gut an.. also tip ich eben, was heut morgen abgeht, dann werd ich noch fotos ordnen und die letzten tage nachschreiben. so kann ich zumindest in meiner welt sein..

es kommt noch rasch mercedes zu besuch, die mein, ich wäre bei ihr eingeladen um zu stricken oder ähnliches.. ich muss ihr mitteilen, dass meine laune noch nicht die beste ist und ich mich später melden. fredel brummt nur vor sich hin: jaja, zuerst die schlechte stimmung hier ausleben.. genau! er verabschiedet sich auch bald nach draussen, ich tippe weiter. und bald bin ich nach mit meinen berichten (ausser der 17, dem häng ich noch nach). und dann geh auch ich raus (fredel ist wieder drinnen) und plaudere etwas mit mercedes. sie ist am stricken und norbi überlässt mir seinen sitz.

nun sitzen wir da also und es ergibt sich ein gespräch über wesen, engel und vieles mehr.. das gefällt mir wirklich sehr und ich ess dazu meinen repollo salat. fredel und norbi kommen dazwischen auch mal dazu und namus auch, der hat nämlich angst vor dem geknalle im dorf vorne. wir beiden frauen sinnieren also über dies und das und irgendwann, viel später, hohl ich fredel: es ist dorfausflug angesagt. mercedes will sich eh noch eine mütze kaufen und so rücken fredel, mercedes und ich bald aus richtung copacobana. heut ist bedeutend mehr los, eindeutig.. wochenende.

auf dem hauptplatz stehen schon einige geschmückte autos und wir erkunden uns, wann man wie segenen kann. erst um halb drei geht es los, also noch etwas im markt rumschlendern und dann kommt das projekt brot auf. am stand von gestern wollen sie uns plötzlich nur 7 anstatt 8 "bürli" verkaufen für zwei boliviano (30 rappen). wir protestieren und gehen weiter. später hat ein stand gegenüber offen und da kriegen wir das knusperbrot für den gewohnten preis. gut so.. wir haben etwas mühe mit dem touristen-abriss. klar, die preise sind niedrig, die versuchung die reichen touris zu überhöhten preisen zu bringen ist gross.. aber wir wehren uns, wenn wir dann eben können. gerne geben wir freiwillig etwas mehr, aber nicht aufgezwungen.

mercedes hat underdessen den heimweg angetreten und wir schlendern noch etwas weiter im dorf rum. im schnellsten internet geht es auch sehr langsam und wir sind bald wieder in den gassen. nun ist halb drei, die weihungen haben begonnen. nichts wie rauf zur kirche und da spritz auch ein pfarrer in brauner kutte weihwasser über die geschmückten autos, steht mit den grossfamilien oder sippschaften brav aufs foto und hintendrein kommt noch ein "hexe" die die fahrzeuge mit rauch einlullt.. auch die menschen kommen nicht zu kurz und es ist ein grosses durcheinander, farbenpracht und geknalle. "champanger" flaschen werden entkorkt und "frauenfürze" entzünt.. gehört dazu.

wir staunen und hoffen, dass wir morgen auch dabei sind.. mal schauen. zuerst gehts aber den vielen schmuckständen entlang ans seeufer wo sich "tausende" farbiger pedalos tummeln und menschen und fahrräder, und pferde und hunde und überall geht was.. eine bunte sache, wir machen pause in einem kleinen beizli und geniessen das treiben um uns rum. die herren am nachbarstisch sind vielleicht nicht so begeistern von den winden die von mir her kommen.. aber mein magen muss anscheinend luft lassen ;-).

dann gehts dem bunten treiben entlang richtung matzmobil und namusis. ein geweihter bus steht am ufer und viele menschen davor am grillieren. wir würden wohl am liebsten etwas vom rost schnappen ;-). sieht das gut aus.. weiter gehts des weges und wir sind bald in der ruhigeren gegend, wo wir uns einquartiert haben. mercedes ist am stricken und wir besprechen den verlauf des abends. sie und fredel meine: auto hier stehen lasse, ins dorf essen. ich hatte meine bedenken wegen den vielen leuten und dem vielen alkohol (es steht bei jeder gruppe eine harasse bier), aber die bedenken verpuffen bei den schilderungen meiner beiden "nachbbaren".. als dann aber norbi kommt und eher meine gedanken von vorhin reflektiert, werd ich sofort wieder unsicher.

fredel ist unterdessen im matzmobil und ich geh in mal fragen, ob er vielleicht was kochen will: sece antwort: nein, und gorgonzola will er auch nicht.. aha.. ich bin schnell weider draussen. wir haben heute nicht grad den superdraht zueinander. klar hab ich das am morgen mit-ausgelöst, aber er ist unterdessen sicher auch nicht besser. so geh ich eben wieder raus und berichte was mein mann da meint. aha.. kochen will also niemand, das auto hier stehen lassen im zweifel besser nicht. also wie vor 2 tagen: fahren wir rein. beschlossene sache.

als ich wieder ins matzmobil zum schreiben kommen mag ich nicht mal berichten, was wir beschlossen haben.. irgendwie passt das nicht, schreib einfach. mercedes kommt mal noch die engelskarten holen und norbi bringt uns einen reiseführer.. sonst schreiben wir still vor uns hin. bis fredel seinen geburi vorliest und ich in der zeit abwasche. schliesslich fahren wir heute noch, also alles etwas aufräumen. bald ist schluss mit schreiben bei mir und ich brenn noch was für unsere nachbaren. und ich staune! mercedes hat schon einen muster für die armstulpen gemacht (nach muster von meinen gekauften..). die frau hat einen drauf.

unser essgelust treibt uns an, bald in den abendklamotten zu stecken und fahrbereit zu sein. parkplatz, wie immer ,-), die plaza bei er polizei. wieder kritische blicke, von mir eine freundliche frage ob wir stehen dürfen und wiederwilliges einwilligen ;-). ich will fredel noch socken stricken, also rüber zur wollenfrau. die ist heute supergut drauf und lacht und witztelt mit uns rum. gut, wir machen ihr ja auch regelmässig umsatz ;-). am stand nebendran haben übrigens mercedes und ich gestern auch was gekauft und mussten schlussendlich mit einem taschenrechner vorrechnen, wie viel rausgeld wir kriegen ;-). auch da viel lachen.

während wir geld wechseln machen sich namusis auf, ein resti zu finden und bald sitzten wir in einer umfunktionierten garage in bunten farben und einer kleinen heizung (wenigstens). 3 sind auf dem pizzatrip und fredel bestellt sich forelle aus dem titicacasee. wir sind dann alle fast etwas neidisch auf ihn, geniessen aber unsere käseüberladene pizza auch. das von namusis bestellte bier muss der junge erst irgendwo einkaufen und den fisch wohl auch ;-). wir warten eine weile. aber was solls.. ist ja unser "letzter" abend zusammen.. alos noch etwas plaudern und sinnieren.

zur krönung des abens essen wir noch ein gutes dessert.. mhhhhhh.... pancake mit süssem, so lieb ich es. und in alter tradition (das macht wohl süchtig), gehen wir nochmal zur sockenfrau um wolle zu kaufen ;-). wieder lachen wir ausgibig und dann gehts zu unseren häusern, die wollen ja noch zum strand gefahren werden. namusis verschwinden auf der plaza und wir fahren schon mal vor. heut ist es irgndwie kalt, wir packen uns gut ein fürs bett. norbi, der wasserträger, kommt noch auf besuch, um eben: wasser zu hohlen und bald stecken wir in den daunen und vielen anderem und versuchen warm zu kriegen. wir sind uns so wieder näher und schlafen ein.

voller guten mutes mach ich mich dahinter ein rechtes frühstück zu bereiten, chnuschper mütschli, gonfi, kaffe und alles was dazugehört.

dann ist aber fertig buurestube gmüetlichkeit , die kompis werden aufgefahren und die stimmung runter..... während eines ausduckversuches der 28 seitigen alde service anleitung sinkt ruschelis stimmung auf nächtliche minus 14.8 ° und ich muss zwischenzeitlich die gute stube verlassen um nicht aus dem fenster rausgeblasen zu werden. dazu kommt noch, dass wir total verschiedene ansichten von ausdrucken haben, und ich mich mit guten tips besser zurückhalte und mich ans seeufer setze und meinen kaffe trinke.

unsere nachbarn kommen kurz mal vorbei, die eine mit der einladung zum stricken der andere mit einem bolivien/peru führer, welchen ich mir sofort schnappe und mich wieder ans seeufer setze. als sich dann schnitz mal aus der drucker stube verzieht, schleich ich mich rein und führe einen weiteren tagesbericht zu buche. es geht nicht lange, scheint die morgen schon bald mittags sonne und diese hat auch die gemüter etwas erhellt, und ich werde offiziell zum copacabanna dorfbummel eingeladen.

wir, ich zwischen schine und mercedes schlendern das strässchen zur kirche hoch, bestaunen lädeli an lädeli, ich schau mir die auslegeordnung mal genauer an, und sehe dass eh alle mehr oder weniger ganau dasselbe verkaufen, und das preisgefüge - die preise sind eh nicht angeschrieben - immer beim dreifachen beginnen, um dann entweder dort zu verharren oder eben nach zwei mal handeln auf den richtigen preis zu gelangen. bei der plaza an welcher sich auch die basilica der comunidad franziscana befindet, ist schon mächtig etwas los.

der strasse vor der kirche entlang sind unzählige stände aufgestellt. die eine hälfte verkauft kunstvoll geknüpfte plastik girlanden und spielzeug- laden einrichtungen oder camiones, und die andere hälfte hat ihren stand mit frischen blüten- blumengirlanden orchideen gestecken und plastiksäcke voller jasmin blüten vollgestopft. all dies brauchts, um die, manchmal von weither gereisten fahrzeuge zu schmücken, und anschliessend weihen zu lassen. ich frag mal unverbindlich, was so ein - wirklich kunsvoll und aufwändig gefertigtes - gesteck mit blumen, und einem kleinen handgemachten schilfböötli kostet, und komme auf einen durchschnittspreis von 7 bolivianos knapp ein franken!

die nächste weihung findet aber erst un ratitto später statt, also schlendere ich mit meinen zwei chiccas noch etwas durch die gassen, auf der suche nach brot. nachdem wir dann nochmal einige käuel wolle gefunden haben - hat ja eine ähnliche form wie brot - finden wir auch den bäckerstand wo mercedes gestern schon 8 brote für zwei bolivianos gekauft hat. aber holla, die inflation hat zugeschlagen, heute gibts für die gleichen zwei bolis nur noch 7 brote. das lassen wir uns natürlich nicht bieten, und suchen einen andern brotstand wo das preis touristen leistungs verhältniss wieder stimmt.

mercedes macht sich auf den heimweg, und wir sehen uns die benediction=weihung der fahrzeuge an. geschmückt mit allem möglichen schnickschnack, mit blütenblättern übersäht, mit bier und cyder bespritzt, vom padre geweiht, und von der hexe ausgeräuchert kann dem fahrzeug sowie den insassen nichts mehr passieren, und das grossereigniss kann am see unten gebührend gefeiert werden. auch dieses schauspiel sehen wir uns an, und trinken in einer der unzähligen strandkneipen eine cola.

wieder zuhause in unserem campground, beginnt eine engels diskussion mit mercedes, gefolgt von einer abschieds znacht diskussion die vor lauter hin und her, wenn und aber schier kein ende finden will, und mangels entscheidungs freudigen gemütern ins unendliche weitergezogen werden könnte. ich rette mich nach hause und schreib meine burtseltags erlebnisse nieder, und hoffe dass norbert, wenn er dann von seinem kleinen ausflug mit namus zurückkehrt, einen seccen entscheid fällen wird. es kommt dann aber eher so dass norbi die ganzen bedenken und einwände nochmal aufleben lässt, und die entscheidungsfindung nochmal erschwert.

es hat sich dann doch ergeben, dass wirs uns am letzten abend - für wohl längere zeit - nochmal richtig gut gehen lassen, und trotz grossandrang im dorf vorne essen gehen. bald sind wir wieder im konvoi zu unserem stammparkplatz vor dem polizeiposten unterwegs. die suche nach einem gemütlichen und vorallem warmen abschieds schmaus restaurant gestaltet sich dann eher schwierig. es ist schon wieder recht frisch, und wir, respektive namusis schauen sich nach einer lokalität mit einem cheminee um, während schnitz und ich einige dollars in bolivianos wechseln - die technik der bankautomaten hat sich leider noch nicht an diesen touristen und pilgerort verbreiten können -

nach längerer suche entschliessen wir uns schlussendlich, in einem kleinen doppelgaragen ähnlichen restauräntli - wo's extra für norbi pizzas gibt, nach welchen er mindestens so süchtig ist wie schine nach raclette - unseren kulinarischen abschiedsabend schmaus zu verbringen. die gasflaschen heizung vermag zwar keine wohlige wärme zu verbreiten, und unser sitzplatz, am weitesten vom eingang entfernt liegt gleich am hinterausgang der garage, welcher zum hinterhof und dann zur küche führt, und dementsprechend gut frequentiert ist. wir schauen uns die karte an, und ausser mir - ich gönn mir jetzt mal eine nicht selbst gefangene trucha - bestellen alle eine pizza. norbi und mercedes trinken ein bier, auf welches sie aber erst noch eine weile warten müssen, da der kellner junge erst mit der leeren flasche über die gass eine volle kaufen muss. ( richtig gelesen, er geht nicht gleich eine harrasse holen, sondern tauscht eine ( 1!) flasche )

die pizza - ich durfte von ruscheli zwei schnitz probieren, was einem innigen liebesbeweis gleichkommt - sowie die trucha waren sehr gut, liessen aber noch platz für ein dessert. crepes con chocolate steht für alle an. und auch die chocolate musste zuerst mal über die gass besorgt werden, aber der aufwand hat sich gelohnt. die rechnung wird brüderlich geteilt und schwesterlich bezahlt, und schon sind wir wieder auf dem weg zur placa, quasi unserem privat bewachten parkplatz.

als schine und ich schon längst am zurückfahren sind, machen mercedes und norbi noch einen plaza rundgang. ich bin mir nicht ganz sicher, aber als die beiden dann endlich an unserer privaten camping strandpromenade einfahren, bin ich schon im land der träume....

die fotos und videos vom heutigen tag findest du in der fotogalerie!



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